Neujahrsempfang der SPD Unna: Neuer Politikstil, Entdeckung der Langsamkeit, viel Grünes und Greta

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Start in ein schwieriges Wahljahr: Bürgermeisterkandidatin Katja Schuon mit Stadtverbandsvorstand, Landratskandidat Mario Löhr, Bürgermeister Werner Kolter (li./2.v.li.), den Bundestags- und Landtagsabgordneten Oliver Kaczmarek und Hartmut Ganzke. (Foto RB)
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„Die Menschen sind es leid, immer wieder von politischen Querelen zu hören und zu lesen. Ich auch!“

Mit der Ankündigung eines neuen (wieder) fairen Politikstils, der Sachthemen in den Mittelpunkt stellt statt persönlicher Anfeindungen, empfahl sich SPD-Bürgermeisterkandidatin Katja Schuon am Sonntagmittag (12. 1. 20) beim Neujahrsempfang in der Stadthalle als potenzielle Kolter-Nachfolgerin.

Sie freue sich darauf, sagte Schuon in ihrer ersten Neujahrsansprache, diesen „neuen Politikstil“ mit ihrer Partei zu gestalten. Zu diesem neuen Politikstil solle auch gehören, den Bürgern viel aufmerksamer als bisher zuzuhören.

Ist das mal ein Angebot: Die Bürgermeisterkandidatin bringt für ihre „Hausbesuche“ den Kuchen mit. (Foto RB)

Und dazu will die Bürgermeisterkandidatin auch die sprichwörtlichen Hausbesuche bei den Unnaerinnen und Unnaern machen: „Sie kochen den Kaffee – ich bringe den Kuchen mit!“, bot Schuon den Zuhörenden an.

Katja Schuon bei ihrer ersten Neujahrsansprache. (Foto RB)

Hier eine Fotogalerie vom Empfang – alle Bilder RB Unna

„Entdeckung der Langsamkeit macht unsere Stadt attraktiv“

In ihrer von freundlichem Beifall durchwirkten, unaufgeregten Rede arbeitete Katja Schuon größtenteils die Themen ab, die sie schon nach ihrer fast 100-prozentigen Nominierung und bei ihren bisherigen Auftritten in den Mittelpunkt gerückt hat.

Sie wünsche sich Unna als Stadt mit kurzen Wegen, mit viel Grün, möglichst wenig Lärm und möglichst viel guter Luft und  warb für die „Entdeckung der Langsamkeit, die unsere Stadt attraktiv macht.“ Das merke jeder, der mal das Auto stehen lasse und auf den ÖPNV und/oder das Rad umsteige.

Die SPD-Bürgermeisterkandidatin auf der „Fahrradstraße“ zwischen Königsborn und Massen. (Fotoquelle Youtube/Katja Schuon SPD)

Katja Schuon selbst, die mit ihrer Familie innenstadtnah in Unna wohnt und im Kreishaus als Jugendamtsleiterin arbeitet, möchte dabei mit bestem Beispiel voran gehen.

„Ich bin zu Fuß und mit dem Rad unterwegs, nutze öffentliche Verkehrsmittel und auch mal Car Sharing“, warb sie unter Szenenapplaus, der vor allem aus Richtung der Grünen kam. Auf ein eigenes Auto könne sie inzwischen weitgehend verzichten. „Mir ist bewusst, dass das nicht für alle mögilch ist“, schränkte sie allerdings ein.

Unna „strukturelll unterfinanziert wie viele Städte“

Von den intensiv grünen Redeinhalten abgesehen, die auch Schuons „Bewerbungsvideo“ als mögliche neue Bürgermeisterin prägen, schnitt Katja Schuon auch kurz die schwierige Haushaltssituation an. Sie tat das aber eher allgemein.

Symbolfoto Pleitegeier / Quelle Pixabay

So sprach sie weder die Haushaltssperre noch das anhaltende Ausgabenproblem an, sondern stellte Unna statt dessen in eine Reihe mit „vielen Städten, die strukturell unterfinanziert sind“. Hier gegenzusteuern sei daher  Aufgabe des Landes und des Bundes.

Und trotz der bekannt schwierigen finanziellen Lage müsse Unna weiter investieren, neben dem Ausbau des Radwegenetzes (wieder begeisteres Klatschen von den Grünen) in Digitalisierung und vor allem in gute Bildung. Das Wort Sparen kam in Schuons Ansprache nicht vor.

Fraktionschef Bernd Dreisbuch. (Foto RB)

Dreisbusch: Es war nicht alles schlecht

Fraktionsvorsitzender Bernd Dreisbusch, ebenfalls bei seiner ersten Neujahrsansprache am Rednerpult in der Stadthalle (er übernahm das Amt im Sommer von Volker König), widmete sich der Rückschau auf das Erreichte.

Denn das gebe es durchaus, verteidigte er die viel kritisierte Ratspolitik mit oft heftig umstrittenen Entscheidungen des vergangenen Jahres. So nannte er als Erfolg die Kortelbachsanierung, die die Stadtbetriebe Unna 2019 für viele Mio. Euro abgeschlossen haben.

„Bei der Eishalle haben wir verloren“

Die Eishallenanhänger nach dem gewonnenen Bürgerentscheid im Glückstaumel.

Offen räumte Dreisbusch ein: Man habe Fehler gemacht.

„Ich nenne die Eissporthalle: Da haben wir verloren“, erinnerte er an den Bürgerentscheid zum Erhalt der Halle Ende Mai. Doch „ich danke der Bürgerinitiative nachdrücklich für ihr Engagement, etwas für Unna zu bewegen!“ Der Applaus kam etwas zeitverzögert und eher zögerlich.

Friedensnobelpreis für Greta?

Unwort des Jahres für die Mehrheit der Mitvotenden beim Rundblick Unna: „Greta“ überlagerte aus Sicht Vieler im vergangenen Jahr alles. (Fotoquelle Pixabay)

Zum Thema Klimaschutz nannte Bernd Dreisbusch explizit „Greta“ – ein Thema, an dem sich die Geister geschieden hätten und weiter scheiden, bei dem Meinungen unvereinbar aufeinanderprallen: „Für die einen ist sie eine rotzfreche Göre, für die anderen eine Anwärterin für den Friedensnobelpreis.“ Bei „Nobelpreis“ klatschten laut und vernehmlch genau zwei Besucher, zwei Grüne: Fraktionschefin Charlotte Kunert und Ratsherr Ismet Soyubey.

Den Klimaschutz in Unna engagiert, aber ohne Hysterie voranzubringen und umzusetzen nannte Bernd Dreisbusch als eine der zentralen Aufgaben der Ratspolitik im neu angebrochenen Jahr.

„Gottes Segen und jetzt gibt´s Suppe!

Den nachdrücklichen Dank für alle ehrenamtlich Engagierten in der Stadt teilte sich Bernd Dreisbusch mit Bürgermeisterkandidatin Schuon – und schloss dann (für einen SPD-Empfang eher ungewöhnlich) mit „Gottes Segen und jetzt gibt´s Suppe!“ Es war Kartoffelsuppe mit Lauch und (wahlweise) Wursteinlage.

 

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2 KOMMENTARE

  1. Werde mir mal das Parteimotto der SPD und das Wahlmotto der BM Kandidatin zum Lebensmotto machen. Ab sofort haue ich jedes monatlich verfügbare Einkommen raus und gönne mir auch Sachen die ich mir eigentlich nicht leisten kann die aber Spaß machen und bei einem bestimmten Klientel Achtung und Anerkennung bringen, so ein bisschen überteuerte Kunst an den heimischen Wänden z. B.
    Am 20ten des Monats fahre ich dann mal zu Eltern und Geschwistern und Frage ob sie mich unterstützen können, schließlich sind sie ja auch für mich verantwortlich. Bin mal gespannt wie sie reagieren? Vermutlich so wie das Land bisher als Gegenmaßnahme zu Pleitenstädten.
    Also weiter raus mit den Penunzen und wie bisher hoffen dass noch Gelder vom Land kommen. Allerdings sind die Rücklagen die für einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt dienten dann aufgebraucht.
    Aber wir Bürger können uns ja dann im sanierten Kortelbach abkühlen wenn die nächste Steuerhöhung ansteht.