„Fridays for Future“ und „Fridays gegen Altersarmut“: Beide Bewegungen radikal unterwandert

2
640
Symbolfoto Klimaschutz / Archivbild RB
Facebookrss

Die eine wird von links-, die andere offenbar von rechts außen instrumentalisiert.

Beide Fridays-Bewegungen verfolgen in ihrem Selbstverständnis wichtige und lobenswerte Ziele: „Fridays for Future“ setzt sich für mehr Umweltschutz und gegen die Folgen des Klimawandels ein, „Fridays gegen Altersarmut“ protestiert gegen die wachsende soziale Ungleichheit und wachsende Armut von Senioren.

Beide Gruppen werden offenbar jedoch zunehmend von radikalen Kräften unterwandert und zwecksentfremdend instrumentalisiert: „Fridays for Future“ von links, „Fridays gegen Altersarmut“ von rechts. 

Gewaltbereite Linke radikalisieren „FFF“:

Vor „extremen Kräften“ in der Klimaschutz-Bewegung FFF warnt der Extremismusforscher Klaus Schroeder. In einem Interview mit „Der Westen“ vom 15. 11. 2019 erklärte Schroeder, dass sich „Fridays for Future“ als Bewegung radikalisiert hätte – vor allem durch „gewaltbereite linke Gruppen“, die sich unter die Gruppe gemischt hätten und versuchten, die Bewegung „an sich zu reißen“.

„Sie nutzen den großen Idealismus der jungen Leute für sich aus“,

sagte der Extremismusforscher in Interview dem Redakteur Peter Sieben.

Die Linke wolle die Klimadiskussion mit der Systemfrage verknüpfen. So hätten extreme Linke die grundsätzliche Idee in die Bewegung getragen, dass der Kapitalismus die Wurzel allen Übels sei und daher alles komplett verändert werden müsse.

Gruppenlogo. / Quelle fb/fridays gegen Altersarmut

Fridays gegen Altersarmut: Ernüchterung und erste Absagen

Ein nahezu identisches Problem haben die Ortsgruppengründer und Anhänger der erst wenige Monate jungen Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ – nur dass hier die Unterwanderung von rechts statt von links erfolgt.

Nachdem unsere Redaktion in einem Bericht vom Freitag (11. 1.) diese Warnungen vor rechtsextremer Instrumentalisierung mit der Bitte um eigene Einschätzungen der Leser zunächst offen in den Raum gestellt hatte, postete unser Leser Mark Sundermeier eine entsprechende Bestätigung in die Kommentare und berichtete von seiner eigenen Ernüchterung in Sachen „FgA“.

Auf unsere Nachfrage erklärte Mark Sundermeier, ein examinierter Krankenpfleger und Reha-Fachberater, ddass er zuerst sehr angetan gewesen sei von der Idee, sich für mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Doch ein Umdenken folgte schnell.

So warnt Sundermeier in einem öffentlichen Posting:

„Meine lieben Freunde : Gruppe verlassen : warum : Lest selbst

Ich hatte am 01. Januar eingeladen, an der Gruppe Fridays Gegen Altersarmut teilzuhaben.Ich entschuldige mich dafür. Inzwischen kann ich die Gruppe nicht mehr unterstützen. Was war passiert.

Eigentlich fand ich die Idee super. Doch nachdem ich eine unbequeme Frage stellte, warum manche Beiträge nicht kommentierbar sind, bekam ich recht unzufriedenstellende Antworten.

Dann habe ich die Frage erneut, besser ausformuliert gestellt und wurde der Gruppe verwiesen und blockiert.

Das ist nicht der Umgang, den ich mir wünsche.

Abgesehen davon, das sich die Verdächtigungen häufen, etliche Administratoren seien sehr weit rechts außen zu finden.“

In der folgenden Diskussion verdeutlicht Mark Sundermeier: „Mir ging es nicht darum, aus welcher Richtung der Wind weht, um das Segelschiff zu steuern. Mir war wichtig, in welche Richtung es steuert.

Die Idee – gemeinsam gegen die Altersarmut vorzugehen – war grandios. Rechtes Gedankengut war (noch) keines zu erkennen. Wenn jedoch, wie hier, konkrete Fragen mit einem Rausschmiss beantwortet werden – war´s das für mich. So weit, so engagiert.“

FgA-Mahnwache in Menden abgesagt:

Eine weitere Leserin, die nach entsprechenden eigenen Recherchen reagiert hat, ist die Gruppengründerin der FgA-Ortsgruppe Menden, Sandra Hanslicek. Sie informierte uns am Sonntagabend darüber, dass sie die für den 24. Januar in Menden geplante Mahnwache abgesagt hat.

Für diesen Tag ruft „Fridays gegen Altersarmut“ bundesweit zu Mahnwachen auf.

Für Sandra Hanslicek waren aktuelle Informationen bezüglich der mit 280.000 Mitgliedern größten FgA-Gruppe ausschlaggebend, konkret über einen der dortigen Admins: Heinrich (oder Heinz) Madsen.

Gruppen-Admin vom rechten Rand:

Über diesen schrieb am vergangenen Freitag (10. 1. 20) die „Frankfurter Rundschau“ (fr /  Onlineausgabe):

„Die Gruppe hat mehrere Admins, einer davon ist ein gewisser Heinrich Madsen, der gleich dreifach aufgeführt ist: neben Heinrich als Heinz und Heinrich von Graf.

Madsen zeigt sich auf einem Bild mit einem sogenannten Thor-Hammer um den Hals, einem mythologischen Symbol, das die extreme Rechte für sich entdeckt hat.“

Jener, so die fas, „womöglich in rechten Kreisen zu verortende Admin“ gebe selbst einen Hinweis darauf, wie die hohe Mitgliederzahl einzuschätzen sein dürfte. So ruft er selbst innerhalb der Gruppe dazu auf, Freundeslisten einfach der Gruppe hinzuzufügen: „…ist es wichtig, dass unsere Gruppe ständig wächst … ihr alle könnt dazu beitragen, indem ihr alle eure gesamte Freundesliste … hier in die Gruppe hinzufügt bzw. einladet.“

Der Madsen-Post „Wir wachsen trotz Hetze von außen und Medien“ ist auf der öffentlichen Seite nicht kommentierbar.

Nach weiteren Recherchen der Zeitung sei „die ganze Gruppe von rechts unterwandert“, werde z. B. promoted von „Hagida“ (Ableger der rechten Bewegung „Pegida“) oder von der  „Deutschen Mitte“, einer, so die fas, „Russland-affinen Seite, die sich mit der organisierten Klimaleugnerszene um „EIKE“ gemein macht und FgA als „sinnvolle Fridays-Initiative“ definiert. Das Thema Altersarmut sei „politisch noch nicht polarisierend, sondern kann breite Teile der Bevölkerung vereinen“.

Schließlich richtete auch der rechte Blog „PI-News“ schon im Juli 2019 einen Aufruf explizit an die AfD: „Besetzt das Thema Altersarmut!“

Die fas kommt zu dem Fazit:

„Natürlich ist es wichtig, dass sich die Gesellschaft im Kampf gegen Altersarmut engagiert und die Politik an ihre diesbezüglichen Handlungsdefizite erinnert. Und nicht alle User der FgA um „Heinz-Heinrich-Graf von“-Madsen sind als rechts einzustufen. Dennoch scheint die Gruppe entstanden zu sein, um eine breite Bevölkerungsschicht vor den eigenen, mutmaßlich rechten Karren zu spannen.“

Selmer Ortsgruppengründer: Nicht die wichtigen Ziele Radikalen überlassen!

Der Gründer der Ortsgruppe Selm, Ralf Piekenbrock, will die Mahnwache am 24. Januar hingegen wie geplant durchführen. Er nimmt wie folgt zur Frage der Rechtsaußen-Unterwanderung Stellung:

Ralf Piekenbrock.

+++Fridays gegen Altersarmut, eine rechtsradikale Gruppierung???+++

Am 24.01.2020 werden die ersten bundesweiten Mahnwachen zu diesem Thema abgehalten. Nachdem bereits in Castrop-Rauxel zu „Gegendemos“ aufgerufen wurde, möchte ich Euch auch diesen Text nicht vorbehalten.

Die Behauptung, dies sei eine „rechte“ Bewegung basiert hauptsächlich auf 3 Argumenten.

1.
Die Admins und einige Initiatoren dieser Gruppe würden „rechtsradikale“ Seiten liken, wie u.a. die von Alice Weidel. Des Weiteren würden die Termine für Mahnwachen auch in „rechten Foren“ weiter gegeben.
Diese Bewegung betont, dass sie überparteilich agiert und so findet man auf ihrer Seite, die z.Z. über 260000 Follower hat, nicht einen einzigen Post, den man auch nur in die Nähe von Rechtspopulismus einordnen kann. Daraufhin durchstöbert man wohl die PRIVATEN Seiten der Admins und Initiatoren und findet wohl auch da nichts, an dem man sich reiben kann. Also forscht man weiter, wer was und wen wohl in der Vergangenheit geliked hat und siehe da…. ENDLICH!!! Da haben doch tatsächlich wohl einige u.a. auch die Seite von Alice Weidel geliked!!!! Ja und, ich mag weder sie noch viele andere in der AFD, noch deren programmatische Ausrichtung. Es ist aber nun mal eine demokratisch zugelassene Partei, die mittlerweile in allen Landesparlamenten vertreten ist und wohl zu den drei stärksten Partien in Deutschland zählt.

Die Partei die LINKE wird auch oftmals im Zusammenhang mit antidemokratischen Tendenzen gesehen, Antifa usw. Ich teile, obwohl ich einer anderen Partei angehöre, hin und wieder Artikel von Sahra Wagenknecht,…. bin ich jetzt linksradikal?
Abgesehen davon…..bei 260 000 Mitgliedern, ist es doch klar, dass ich alle möglichen Leute darunter habe. Ich will auch gar nicht ausschließen, dass sich darunter wirklich rechtsradikale Idioten befinden, aber um so erstaunlicher ist es doch, dass die Admins die Seite sauber gehalten haben. Ihnen gehört in erster Linie ein großes Lob.

Der Vorwurf, die Mahnwachen werden auch auf „rechten Foren“ geteilt….muss ich nicht viel zu sagen. Du kannst heute zum einen, keine Veranstaltung unter freiem Himmel mehr planen, ohne das versucht wird, diese für die eine oder andere politische Richtung zu instrumentalisieren. Ich würde gern in Zukunft auch mal mehr auf das Elend in dieser Welt aufmerksam machen, so viele Kinder, die sekündlich an Hunger sterben ( dafür stöhnen wir hier auf hohem Niveau, das mal nur am Rande), selbst da würde es nicht anders sein.

Man kann es aber auch ganz anders sehen. Ich empfinde die Spaltung in unserer Gesellschaft als immer extremer.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Immer weniger Leute halten den Gesamtbestand an Kapital. Alters- und leider auch Kinderarmut wächst und was machen WIR, die zudem oftmals auch noch unter katastrophalen Bedingungen leiden, wenn man z.B. zum Pflegefall wird? Wir schlagen uns gegenseitig die Köpfe ein…links-rechts, rechts-links….
So sind wir doch wirklich hervorragend zu regieren. Missstände können gar nicht wirklich kommuniziert werden, weil es nicht wichtig ist, wen sie betreffen, sondern WER sie propagiert. Ein hervorragendes Spielfeld für Lobbyisten und Politiker, die andere Dinge im Kopf haben, als die Interessen von Bürgern und die gibt es in jeder Partei.

2.
Der Initiator Heinrich Madsen ist kriminell. Fakt ist, dass wohl einige Verfahren wegen Betruges u.a. gegen ihn gelaufen sind und dass es Aufenthaltsermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera zu seiner Person gab.
Fakt ist aber auch, dass wohl sämtliche Ermittlungen eingestellt sind und auch die Staatsanwaltschaft Gera schon länger seinen Aufenthaltsort kennt.

Dazu muss man auch bedenken, dass es einfach ist, jemanden zu diskreditieren. Wenn ich, oder wohlmöglich mehrere, jemandem etwas schlechtes wollen, zeige ich/ wir ihn erstmal an. Ab da läuft das Ermittlungsverfahren und selbst wenn es Blödsinn ist, kann es sich über Monate ziehen, bis es wie im Fall Madsen, eingestellt wird.
Abgesehen davon, kann hier NIEMAND einen finanziellen Vorteil ziehen. Die Behauptung, es würden Flyer verkauft, ist schlicht weg gelogen.

3.
Der Vorwurf, die Gruppe würde polemisieren, da sie u.a. fachlich falsch von der Zweckentfremdung aus der Rentenkasse berichtet. Leute, natürlich wurden Mittel über 700!!! Milliarden aus der Rentenkasse für „versicherungsfremde Leistungen“ verwendet. Versicherungsfremde Leistungen sind gesellschaftspolitisch begründete Leistungen, die aus dem Staatshaushalt zu finanzieren sind, die Abgrenzung ist umstritten. Grundsätzlich sagt man, dass alle Leistungen der Rentenversicherung als versicherungsfremde anzusehen sind, die nicht oder nicht in vollem Umfang durch Beiträge der Versicherten gedeckt sind ( nicht beitragsäquivalente Leistungen).
Das Thema ist sehr komplex, daher sei es hier nur mal angerissen.

Fazit:
Ich finde es mehr als traurig und erschreckend, dass selbst Themen, die alle betreffen, ob alt ob jung, ob GRÜN-, LINKE- oder AFD-Wähler, es nicht schaffen, uns in der SACHE etwas mehr zu einigen, sondern noch im Gegenteil…

Es gibt nun mal Ziele, die überlebenswichtig sind, wie Schutz unserer Umwelt und ein besseres Leben für die Schwachen in unserer Gesellschaft und die können wir nur GEMEINSAM erreichen und es ist doch völlig sekundär… wer die Idee zuerst hatte…
Alles andere ist unverantwortlicher Kindergarten, der eins zur Folge haben wird. Es wird dann ein GEMEINSAM geben, beim Leiden unter den Folgen.

Abschließend auch noch mal. Ich finde es unerträglich, dass man oftmals mit einer Meinung, die einigen nicht passt, sofort in die „rechte Ecke“ gestellt wird oder gleich als Nazi bezeichnet wird… Wisst Ihr eigentlich wofür die Nazis verantwortlich waren? Für das Abschlachten und Foltern von Millionen von Menschen, weil die Herkunft nicht passte, die Religion, die politische Auffassung oder sie schlicht weg behindert waren. Die Besichtigung einiger KZ kann ich da nur jedem empfehlen. Diese Menschen waren mordende und Menschenverachtende Bestien.
Man sollte daher ganz vorsichtig sein, einen Menschen als Nazi zu bezeichnen, denn dies trifft a) wohl in den seltensten Fällen zu und b) verharmlost man die wirklichen Nazis damit, die dann in einer großen grauen Masse untertauchen können.

Was mich unfassbar entsetzt in diesem Zusammenhang ist die Frage eines Journalisten an mich, ob ich mich als „rechts“ einstufen würde. Auf die Frage, wie er darauf käme, bezog er sich auf einen Artikel von mir, vom 19.12.2019, in dem ich an die Opfer vom Breitscheidt Platz Berlin erinnere…dieses sei schließlich ein von „Rechten“ besetztes Thema, wo man auf den vielen deutschen Opfern „herumreiten“ würde. Z.K. ich erinnere in diesem Artikel lediglich an die Opfer, gebe ihnen einen Namen und erzähle kurz ihre Lebensgeschichte und warum sie an diesem Tag in Berlin waren. Mehr nicht, keine politische Bewertung und abgesehen davon, die Opfer waren international.

Ich finde es ganz schlimm, wenn selbst Beileid und Respekt instrumentalisiert werden, egal von wem.

Lasst uns doch bitte bei Sachen, die uns ALLE betreffen, wie z.B. der Schutz unserer Umwelt und der Kampf gegen Kinder- und Altersarmut, an einem Strang ziehen, bevor es zu spät ist und die Folgen des Nichthandelns uns ALLE treffen.“

Facebookrss

2 KOMMENTARE