8 Raube in 9 Tagen in Unna und Kamen: Polizei sieht Zufallshäufung und erbittet weitere Hinweise

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Symbolbild / Quelle Pixabay
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Gleich acht Raubüberfälle in Kamen und Unna zwischen dem 6. und dem 15. Januar –  drei in Unna, fünf in Kamen: Das ist eine in dieser Form noch nicht dagewesene Serie.

Sie stellt für die Kreispolizei Unna gleichwohl eine Zufallshäufung dar, und so bat Polizeisprecher Christian Stein am Freitag (17. 1.) im Gespräch mit unserer Redaktion, jetzt nicht in Panik zu verfallen und aus Furcht, beim Verlassen des Hauses direkt als Nächster überfallen zu werden, erst gar nicht mehr in die Innenstadt zu gehen.

„Dazu besteht wirklich kein Anlass“, betont Stein.

Zugleich bestätigte er, dass die verstärkte Polizeipräsenz im Kamener Innenstadtbereich zunächst unverändert aufrecht erhalten bleibt. „Das wird für die Bürger nicht immer sichtbar sein“, deutet Stein an, dass auch Zivilkräfte den Citybereich ins Visier nehmen.

Hier in der Kamener City ist nach bisherigen Ermittlungen der Polizei möglicherweise eine Bande aktiv, die skrupellos auch am hellen Tag zuschlägt.

Die drei Raubdelikte in Unna – zwei in Bahnhofsnähe und eine in der Wohnung eines Seniors in Massen – haben nach Überzeugung der Ermittler mit diesen mutmaßlichen Bandenüberfällen nichts zu tun. Sie passierten davon unabhängig im lediglich zufälligen zeitlichen Zusammenhang.

Die Überfälle in chronologischer Auflistung:

1. Montagabend, 6. 1. 2020, Unna, Ostring Richtung Bahnhof:

Ein  30-jähriger Unnaer wird gegen 18.20 Uhr von einer Gruppe junger Männer angesprochen, sie bieten Drogen an. Als er abhlehnt, wird er zusammengeschlagen und -getreten.

Mit einem dreistelligen Bargeldbetrag flüchtet die Gruppe. Das Opfer wird im Krankenhaus ambulant behandelt.

Am nächsten Tag erkennt der 30-Jährige bei einem Spaziergang in der Innenstadt den Hauptverdächtigen zufällig wieder.

Der 20-Jährige, ein polizeibekannter Mann aus Eritrea, sitzt in Untersuchungshaft. Die anderen fünf Männer, die das Opfer alle zwischen 19-22 Jahren schätzt (drei sollen dunkelhäutig sein), werden noch gesucht.

2. Donnerstagabend, 9. 1. 2020, Unna-Innenstadt (Niesenstraße):

Ein 16-jähriger Unnaer wird in der Fußgängerzone zwischen Bahnhof- und Schäferstraße gegen 21.30 Uhr von zwei Fremden gestoppt, die ihn gegen eine Hauswand stoßen und die Soundbox ihres Opfers rauben.

Der 16-Jährige bleibt unverletzt. Die Angreifer flüchten in Richtung Bahnhof.

Gefahndet wird nach zwei ca. 25 Jahre alten und ca. 1,80 m großen Männern, der eine trug schwarz-weiße Jacke, schwarz-braune Hose und Gucci-Umhängetasche, hat südländisches Erscheinungsbild, der andere hat dunkle Haare, dunklen Bart, trug schwarze Lederjacke, schwarze Ledercap, blaue Jeans und ist von dünner Statur.

3. Freitagvormittag, 10. 1., Unna-Massen:

In einemn Zweifamilienhaus an der Friedensstraße hält ein 83-jähriger Mann gegen 11 Uhr ein Nickerchen in einem Wohnzimmersessel, erwacht und sieht sich zwei Einbrechern gegenüber.

Einer packt ihn und hält ihn fest, der andere durchwühlt seine Wohnung. Mit einem vierstelligen Bargeldbetrag flüchten die Täter.

Der Senior beschreibt sie als recht groß (1,90 m) mit osteuropäischem Akzent.

4. Sonntagabend, 12. 1., Kamen, Innenstadt:

Ein 62-jähriger Kamener wird gegen 20.25 Uhr auf einem unbeleuchteten Gehweg zwischen Ostring und Goldbach von zwei Tätern von hinten zu Boden gerissen und niedergedrückt.

Die Räuber finden lediglich einen Schlüsselbund, damit stieben sie davon. Der 62-Jährige wird leicht verletzt.

Beschreibung des Duos: ausländisches Erscheinungsbild, ca. 20 Jahre, 175 cm, schwarze Jacken, Jeans.

5.  Montagabend, 13. 1., Kamen-Stadtmitte:

Gegen 20.05 Uhr wird eine 32-jährige Kamenerin auf der Straße Im Grund verfolgt. Sie dreht sich um, wird ins Gesicht geschlagen.

Drei Täter entreißen ihr das Handy sowie – nach heftiger Gegenwehr – auch die Umhängetasche. Die Frau, die bei dem Überfall zu Boden stürzt, wird leicht verletzt.

Sie beschreibt die drei Täter als ca. 18-jährige Südländer, Nr. 1 in roter Winterjacke mit grauem Fellkragen, dunkler Jeans, dunklen Turnschuhe, Nr. 2 in weißer Winterjacke mit grau-weißem Fellkragen, Nr. 3 in grauer Weste, vermummt mit schwarzem Schal und schwarzer Mütze.

6. Montagabend, 13. 1., Kamen-Stadtmitte – 15 Minuten später:

Nur eine Viertelstunde später wird eine 54-jährige Kamenerin auf der Weststraße überfallen – sie kommt vom Einkaufen, als ihr ein Jugendlicher aus einer Gruppe heraus die Handtasche entreißt.

Der Täter soll eine reflektierende Jacke in Orange, eine schwarze Jogginghose und eine dunkle Wollmütze getragen haben.

7. Mittwochnachmittag, 15. 1., Kamen-Mitte:

Gegen 15.45 Uhr bedrohten drei maskierte Täter einen 20-jährigen Bergkamener auf einem Sportplatz an der Fritz-Erler-Straße mit einem Messer, erbeuten die Sporttasche mit zwei Smartphones.

Laut Raubopfer sprach einer der drei Täter Deutsch, die beiden anderen Arabisch. Sie waren allesamt dunkel gekleidet, ein Täter trug einen grauen Kapuzenpullover.

8. Mittwochnachmittag, 15. 1., Kamen-Stadtmitte – 15 Minuten später:

Etwa 15 Minuten später, gegen 16.00 Uhr, werden zwei junge Kamener (18, 17) auf der Kämerstraße zusammengeschlagen und -getreten, selbst als sie bereits am Boden liegen.

Die beiden Räuber erbeuten die Smartphones ihrer Opfer.

Diese beschreiben die Täter als ca. 20-25-jährige, schlanke Südländer, ca. 1,80-1,90 m groß, Nr. 1 schlank, , „drahtig“, schwarze, nach hinten gegelte, lange Haare, rotes Oberteil, schwarze Jacke, schwarze Umhängetasche mit weißer Schrift „Philipp Plein“, goldene Halskette, sprach akzentfrei Deutsch, Nr. 2  schwarze, kurze, lockige Haare, graue, übergroße Jacke, unbekannter Akzent.

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Polizeihauptkommissarin Sonja Wundrock, stellvertretende Leiterin der Polizeiwache Kamen, betont: „Wir nehmen die aktuellen Straftaten im Innenstadtbereich zum Anlass, verstärkt Präsenz im Zentrum zu zeigen. Unsere Streifenwagenbesatzungen und unser Bezirks- und Schwerpunktdienst sind sensibilisiert.“

Die Polizei rät dazu, bei verdächtigen Personen und Beobachtungen sofort den Notruf 110 zu wählen. Außerdem werden weitere Zeugen gesucht. Hinweise nimmt die Wache Kamen unter der Rufnummer 02307-921 3220 entgegen.

 

 

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4 KOMMENTARE

  1. „Zufallshäufung“. Es ist schon cool, was die sich für Wortschöpfungen ausdenken. Ja, diese vielen Zufallshäufungen. Wer kommt auf sowas? Es gibt aber auch verdammt viele Zufälle im Moment. Und die häufen sich dann. Also zu einem Haufen. Also in Deutschland. Ich schmeiß mich weg.

  2. Wohl eher eine „Zufallshäufung“, weil die luschigen Strafen in diesem Staat so gut wie niemanden mehr schrecken. Mein Eindruck des Systems: Solange man keine Steuern hinterzieht, muss man sich wenig Sorgen um eine hohe Haftstrafe machen. Räuber, Einbrecher etc. kosten den Staat jedes Jahr etliche Millionen an Unterbringung und Überwachung. Wen wundert es da, dass man sich lieber an den nicht raubenden und nicht einbrechenden Bürger heftet, der aufgrund der Androhung einer hohen Haftstrafe eine Selbstanzeige fertigt, Steuern nachzahlt und hierdurch den Staatshaushalt unterstützt?! Natürlich ist auch die Steuerhinterziehung eine miese Straftat und somit unter aller Kanone, aber Gesundheit und Leben eines Menschen stehen über jeglichem Geldbetrag und somit müssen Taten, die gegen Menschen gerichtet sind, entsprechend rigoros bestraft werden. Eine Zeit lang habe ich angenommen, dass Staatsanwälte und insbesondere Richter aufgrund der ständig zunehmenden Gewaltdelikte und Verrohung der Gesellschaft beim Strafmaß zumindest mittelfristig das Maximum der gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen werden. Tja, falsch angenommen, denn in diese Richtung passiert, meine Sicht der Dinge, kaum etwas. Man wird daher wohl noch lange Zeit derartige Statistiken / Auflistungen lesen müssen.

  3. Denke auch dass man das überbewertet und man nicht in Panik geraten muss. Schließlich ist das Risiko Opfer eines Überfalls zu werden von “höchst unwahrscheinlich” derzeit nur “wahrscheinlich”. Schließlich sind wir hier nicht im Hammer / Dortmunder Norden oder halten uns am Soester Bahnhof auf wo denn der “eher wahrscheinlich” Level erreicht ist. Es ist auch nicht nett, dass der RB immer die Täterbeschreibungen nennt. Andere Medien sind da doch restriktiver und halten ihre Leser doch gern unwissend. Außerdem was kann schon passieren bei so viel Polizeipräsenz.? Also bitte doch mal die Kirche im Dorf lassen. SATIRE ENDE.
    Wieder einmal werden die Probleme bagatellisiert. Woher bitte soll die Polizei die erforderlichen Kräfte hernehmen um permanent präsent zu sein und Vorsorge zu treffen? Insofern kann man der Polizei nichts vorwerfen außer dass sie wieder einmal das Problem bewusst ignoriert. Warum? Vielleicht weil 7 von 8 Täterbeschreibungen nicht der aktuellen politischen Richtung entsprechen? Oder auch weil die Arbeit “eh was fürn Arsch ist” da die “unfähigen” Richter mal wieder Gnade vor Recht ergehen lassen. Oder sind die Richter nicht so unfähig, weil kein Platz mehr in den Haftanstalten vorhanden ist um selbst verurteilte Sexualtäter einschließen zu können.
    Egal wie die Antwort ausfällt. Verantwortlich hier ist alleine die Politik und ich fürchte bei den derzeitigen Wahlprognosen; gute Nacht denn—

  4. Alles halb so schlimm. Da es sich um eine „Zufallshäufung“ dieser Raubdelikte handelt, wird diese Kriminalität in den nächsten Monaten auch genauso zufällig wieder zurückgehen. Natürlich auch bedingt durch die „verstärkte Polizeipräsenz im Kamener Innenstadtbereich“ wird Unna deutlich sicherer werden. Und nur weil die Täter „dunkelhäutig“ sind, ein „südländisches Erscheinungsbild“ haben, oder arabisch oder einen osteuropäischen Akzent sprechen, muss das nichts heissen. Das trifft auch auf viele Deutsche zu!