Märkischer Arbeitgeberverband: „Die Rezession ist da“

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Foto (v.l.n.r.): Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbands, MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce und Dr. Andreas Weber, Leiter Öffentlichkeitsarbeit & Bildung, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. (Foto: MAV)
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„Die Rezession ist da.“ Dieses ernüchterte Fazit zieht der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) aus seiner aktuellen Konjunkturumfrage.

„Die Befragungsergebnisse zeugen von einer verschlechterten wirtschaftlichen Lage in den Unternehmen der Region. Viele Betriebe sehen auch die zukünftige Entwicklung im Jahr 2020 skeptisch. Die Erträge sinken, was vielfach zur Anpassung von Investitionen führt.“

In der Pressemitteilung des MAV vom 21. 1. 2020 heißt es weiter:

  • 22 Prozent der Unternehmen rechnen im ersten Halbjahr 2020 mit Kurzarbeit.
  • Weitere 14 Prozent haben im zweiten Halbjahr 2019 bereits Kurzarbeit angemeldet.
  • Auch der Anteil der Unternehmen, die Entlassungen planen, nimmt zu.

Allerdings wollen 72 Prozent der Betriebe im Jahr 2020 ihre Ausbildungsquote beibehalten. Die Industrie weiß um die anstehenden Zukunftsherausforderungen und kann mittelfristig nicht auf Fachkräfte verzichten.

Die Umfrage des MAV wurde ab Mitte November 2019 durchgeführt. Die Antwort-Quote der Verbandsmitglieder ist seit Jahren überdurchschnittlich hoch. 130 Unternehmen mit rund 18.000 Beschäftigten und 886 Ausbildungsplätzen nahmen daran teil. Die teilnehmenden Betriebe stammen fast ausschließlich aus der M+E-Industrie und zuliefernden Branchen.

Einzelheiten aus der Umfrage:

Hatten sich die Zukunftserwartungen bereits im Vorjahr verschlechtert, so setzt sich dieser Trend für 2020 fort. Mit 31 Prozent erwarten noch einmal 7 Prozentpunkte mehr eine Verschlechterung als vor zwölf Monaten.

Gleichzeitig sinken auch die Hoffnungen auf eine zumindest konstante Geschäftslage. Exporthemmnisse durch internationale Konflikte wie Handelszölle oder den Handelsstreit USA/China und der weiterhin akute Fachkräftemangel bilden genauso den Hintergrund für diese pessimistischen Einschätzungen wie auch die Krise der Automobilindustrie.

Umbrüche wie Digitalisierung, Mobilitäts- und Energiewende bieten Chancen, lassen die Zukunft aber offenbar auch ungewiss erscheinen.

Aktuell bewerten 36 Prozent der Unternehmen ihre Auftragslage im Inland als schlecht. Das ist ein überaus deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Im Hinblick auf das Ausland sind es sogar 42 Prozent.

Im Inland geht die Tendenz in Richtung einer weiteren Verschlechterung der Auftragslage. Dies ist besonders bemerkenswert angesichts der bereits schlechten Bewertung der aktuellen Auftragslage.

Im Hinblick auf den internationalen Markt sieht es nur geringfügig besser aus. Mit 13 Prozent glauben mehr Unternehmen als im Vorjahr an eine Verbesserung der Situation. Die Optimisten dürften u.a. auf eine Lösung des Brexit-Problems setzen.

Allerdings ist die Ausgangslage international auch noch schlechter als national. Die hohen Arbeitskosten in Deutschland dürften ihren Teil zur schwierigen Ertragslage beitragen. Nur die Schweiz und Norwegen sind unter diesem Blickwinkel noch teurer als Deutschland.

Der jährliche Produktivitätszuwachs in der M+E-Industrie liegt seit 2011 deutlich unter der 1-Prozent-Grenze. Gleichzeitig sind die Vergütungen der Beschäftigten im Jahresmittel um mehr als 3 Prozent gestiegen. Diese Ausgangslage trifft nun mit Absatzrückgängen aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation zusammen.

Offensichtlich geht die Rezession nicht ohne Entlassungen ab. Der Anteil der Betriebe, die im 2. Halbjahr Personal entlassen mussten, hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Erfreulich ist hingegen, dass mit 59 Prozent mehr als die Hälfte der Unternehmen eine unveränderte Mitarbeiterschaft hat. Das sind sogar etwas mehr als im Vorjahr.

Für das erste Halbjahr erwarten 68 Prozent der Betriebe – sicher auch, um wertvolle Fachkräfte zu binden – eine weiterhin unveränderte Belegschaft.

25 Prozent planen Entlassungen. Jedes fünfte Unternehmen hat im 2. Halbjahr 2019 trotz Rezession Mitarbeiter eingestellt – auch wenn es im Jahr zuvor noch deutlich mehr waren. 7 Prozent haben das auch 2020 vor.

Der Anteil der Betriebe mit Kurzarbeit ist von 14 Prozent im zweiten Halbjahr 2019 auf 22 Prozent im 1. Halbjahr 2020 (Erwartungen der Unternehmen) gestiegen.

Die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie hier.

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