Anklage wegen Pferdequälerei – Paar aus Wickede/Ruhr muss vor Gericht

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Symbolpferd / Foto Rundblick
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Die Anklage lautet auf wiederholte Tierquälerei. Konkret sollen Pferde gequält worden sein. Ein Paar aus Wickede/Ruhr muss sich dafür in der kommenden Woche vor dem Amtsgericht verantworten.

Wie das Onlineportal wickede.ruhr berichtet, hat die Arnsberger Staatsanwaltschaft einen 51-jährigen Mann und seine 45-jährige Ehefrau aus der Gemeinde Wickede angeklagt. Sie sollen in zwei Fällen gemeinschaftlich „einem Wirbeltier länger anhaltende und sich wiederholende erhebliche Schmerzen/Leiden zugefügt“ haben, was nach dem Tierschutzgesetz eine Straftat ist.

Konkret geht es um die Pferdehaltung des Paares. Im Mai 2018 hatten die zuständigen Behörden bei einer Überprüfung mehrere offenbar stark ausgehungerte Pferde auf einer Weide vorgefunden. Es habe auf der Weide keine Futtergrundlage und kein frisches trinkbares Wasser für die Tiere gegeben, erklärte das Amtsgericht Werl am Freitag, (24. 1.).

Ein Pferd, Wallach „Dubai“, sei tot aufgefunden worden. Er war am 23. April 2018 kastriert worden. – „Die nötige Nachbehandlung und Pflege durch die Angeschuldigten erfolgte indes nicht“, zitiert wickede.ruhr die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Der pathologische Befund hätte ergeben, dass das Pferd dadurch „länger anhaltende, erhebliche Schmerzen“ hätte erleiden müssen und offenbar aufgrund der mangelnden Pflege und medizinischen Versorgung nach dem Eingriff verendete.

Im zweiten Fall, der zur Verhandlung steht, habe der Angeklagte am 27. Januar 2019 an eine Frau in Werl ein unterversorgtes Shetland-Pony übergeben – mit der ausdrücklichen Anweisung, „keinen Tierarzt hinzuzuziehen“. Kurz nach der Übergabe musste das Pony wegen einer „Schlundverstopfung“ durch einen Tierarzt eingeschläfert werden.

Das Veterinäruntersuchungsamt stellte bei der Untersuchung des Kadavers einen Kräfteverfall durch mehrfache Krankheiten fest: Unter anderem konnte das Tier nicht genügend Nahrung aufnehmen, weil eine Gebisserkrankung nicht behandelt worden war, und es litt an einer akuten Huferkrankung. Laut Staatsanwaltschaft folgten daraus „erhebliche, länger anhaltende, sich wiederholende Schmerzen und Leiden des Tieres“.

Über das Urteil des Prozesses werden wir hier berichten.

Stichwort Tierquälerei / Quelle: Jura Forum

Im deutschen Recht wird Tierquälerei als Straftat eingestuft (§ 17 Tierschutzgesetz – TierSchG). Vor dem Gesetz wird als Tierquäler angesehen, wer Wirbeltiere grundlos tötet oder diesen erhebliches Leiden oder Schmerz zufügt. Auch das Zufügen von wiederholten Schmerzen bzw. Leid oder über einen längeren Zeitraum wird vom Gesetzgeber als Tierquälerei angesehen.

Der § 17 des Tierschutzgesetzes sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor, wenn ein Tier mutwillig getötet oder gequält wird. Was sich allerdings als hinfällig erweist, handelt es sich nur um den Versuch oder eine fahrlässige Tat. Denn eine versuchte oder fahrlässige Tierquälerei sowie eine Tiermisshandlung werden als Ordnungswidrigkeiten eingestuft, die mit Geldbußen bis zu 25.000 € geahndet werden. Die Tat kann zudem als Sachbeschädigung eingestuft werden, falls es sich um ein fremdes Tier handelt. Hier greift § 303 Strafgesetzbuch.

In der Praxis sind Gefängnisstrafen für Tierquäler so gut wie nicht existent

In der Realität kommt es nach wie vor eher selten vor, dass ein Tierquäler wirklich hinter Gitter kommt. Zumal das Strafgesetzbuch Tiere noch immer im Wesentlichen als Sache einstuft und dementsprechend nach § 303 ein Tatbestand der Sachbeschädigung zugrunde liegt.

Dennoch verhängen in Deutschland Gerichte immer öfter empfindliche Strafen, wenn es um Tierquälerei geht. Und auch die Wegnahme von Tieren aufgrund nicht tiergerechter Haltung wird heute immer häufiger umgesetzt.

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