Knebels Affentheater in Unna außer Rand und Band

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Knebel bei einer seiner wahren Knebel-Geschichten. (Foto RB)
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„Viele werden vielleicht sagen: och dat is ja so wie immer. Können wir nur sagen: stimmt!“, flachst Uwe Lyko alias Herbert Knebel in der Ankündigung des aktuellen Programms. „Außer Rand und Band“ heißt es und vergnügte am Freitagabend in einer ziemlich ausverkauften Stadthalle die Unnaer Knebel-Anhängerschaft.

„Boah ey, ein Song und schon läuft dir wieder dir Suppe runter!“ Gleich zum Auftakt mit einer affentheater-typischen Verblödelung von „Should I stay or should I go“ ist klar, was den geneigten Besucher erwartet, und so setzt die Knebel-Truppe wieder mal auf die bewährte Mischung aus meist rockiger Musik („Mögt ihr Schlager? – Dann seid ihr hier falsch!“), herrlich dämliche Affentheater-Nummern und die einzigartigen und einzig wahren Herbert-Geschichten.

So geht Herbert diesmal mit ein paar Kumpels auf „Pils/z/tour“. Schon bei der Anfahrt zum Zielort schwant ihm Komisches: Ein strikter Antialkohliker ist mit von der Partie. „Das ist ja so, als obse nen Eunuchen innen Puff schleppst.“

Am Ziel angekommen, einem einsamen Waldparkplatz,  weit und breit keine Schankwirtschaft in Sicht. Erst als Kumpel Heinz vier Messer aufblitzen lässt, wird klar: Es geht nicht zum Pils, sondern zum PILZ. Inne Pilze, um es mit Herbert zu sagen.

Nun denn, Herbert ist ja offen für neue Erfahrungen. Dann aber wenigstens keine Zeit verschwenden mit langatmigen Pilzbestimmungsversuchen anhand des mitgeführten Pilzbestimmungsbuches. „Beim Pilzesammeln musse aber auch mal fünfe grade sein lassen“, findet Herbert. Das Ergebnis offenbart sich ziemlich prompt nach anschließendem Genuss des frisch zubereiteten Pilzgulaschs – am Lagerfeuer mitten im Wald. Hysterische Lachflashs, Tangotanzen mitten im Wald, der Tango geht dann nahtlos über in Breakdance mit gejohltem Reim: „Wir sind im Wald, der Pilz der knallt!“ Ein Förster sammelt die Überreste der launigen Pilzgesellschaft dann anderntags im Wald auf….

A capella gesungen wird auch „Das Wandern ist des Knebels Lust“ zur Lachnummer, gefolgt vom Schönen Westerwald, doch die meisten der (vielen) Musiknummern sind satter Rock, und hier zeigt sich immer wieder, dass die Affentheater-Komiker ganz nebenbei auch allesamt begnadete Musiker sind. Vor allem Ozzy Ostermann, der bekanntlich auch mit musiklastigen Solonummern auftritt.

Bei den Ensemble-Nummern darf wie gewohnt der „Trainer“ als Prügelknabe herhalten. Ob als „Mitarbeiter des Monats“ mit Tempo 38 in der 30er Zone (Ozzy wurde zeitgleich mit 120 geblitzt – aber in der Fußgängerzone) oder ob bei Herberts herrlich nöhligem Lamentieren über das Alter: „Auch geistig lässt man nach!“ Trainer: „Bei mir lässt nichts nach.“ Ozzy: „Du hast ja auch nichts zu verlieren.“

Ja ja, früher, als es Google noch nicht gab und die Menschheit noch nicht als Gesamtheit vollverblödete. „Wenn am früher was nicht wusste, hasse im Gedächtnis gekramt. Heute: kollektiver Gedächtnisverlust!“, beschwerte sich Herbert. Erschreckend! Furchtbar! Was für Wörter passen noch…? Stumme Ratlosigkeit.  Ozzy findet zum Glück die Lösung: „Ich hab´s! Ich google mal fix!“ Und wenn man vergisst, was man gegoogelt hat, googelt man es  noch mal nach. Und wenn man vergessen hat, wonach man eigentlich gegoogelt hat, guckt man im Suchverlauf nach. Perfekt, oder?

Im Gegensatz dazu gab es früher auch kein Navi. War das nun schöner oder irgendwie doch ziemlich besch… – eiden?  „Früher war der Weg das Ziel“, sinniert der Trainer wehmütig,  darauf Herbert: „Hasse beim Chinesen wieder ´n Glückskeks abgestaubt?“

Dazu wieder eine schöne fette rockige Einlage, passend zum Thema, „Talkin about my Generation“ – meine Generation: Und da endet Herbert Fahrt zum Getränkemarkt heute, wenn er mal vergisst, das Navi einzuschalten, eben mal kurz vor Arnheim.

Weitere Infos: https://affentheater.de

 

 

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