Grüne Bürgermeisterkandidatin kündigt neues Verkehrskonzept und „Green Deal“ an – „Unnas Finanzen werden schlecht geredet“

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Claudia Keuchel, Parteivorsitzende und Bürgermeisterkandidatin der Grünen Unna. (Foto RB)
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Unter dem Thema „Auf das, was noch kommt“ hat sich bei Unnas viertem politischen Neujahrsempfang am Sonntag (26. 1.) die Bürgermeisterkandidaten der Bündnisgrünen präsentiert, Claudia Keuchel.

Sie unterstrich, als Bürgermeister mit „Unna.braucht.Eis“ zusammenzuarbeiten, auch wenn die Grünen den Eishallenerhalt ablehnten; sie kündigte ein neues Verkehrskonzept und einen „Green Deal“ für Klimaneutralität an, will Kulturpolitik zur Stadtpolitik machen und ist überzeugt, dass Unnas Finanzen schlechter geredet werden als sie sind.

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Auszüge aus Claudia Keuchels Rede (Kürzungen gekennzeichnet).

(http://www.gruene-unna.de)

…  wir sind uns sicherlich auch einig, dass wir für eine grüne Bürgermeisterin noch vielegewinnen müssen, die bisher noch kein Kreuzchen hinter unsere Partei gesetzt haben.Viele Menschen in meinem Freundeskreis haben mich gefragt: „Sachma, warum tust du dir das an? Glaubst du denn ernsthaft, du hättest eine Chance?“

… Ich lebe und liebe Unna schon immer, nur meine Kindheit habe ich in Bönen verbracht. Ich will, dass Menschen in Unna eine Zukunft mit guter Lebensqualität haben. Ich traue mir zu – zusammen mit euch – an einer lebens- und liebenswerten Stadtgesellschaft zu arbeiten.

… Natürlich habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht, was das für mein Privatleben bedeuten kann. Höre Warnungen und Geschichten von anderen Menschen, die für ihre Stadt Verantwortung übernommen haben – egal mit welchem Parteibuch. …

Aber wir können uns doch nicht einschüchtern lassen! Wir können doch nicht zulassen, dass die Trolle, die hate-speaker, die Rassisten und Demokratiefeinde die Oberhand gewinnen. Wir können uns doch nicht den Schneid abkaufen lassen.

Doch nicht, wenn es darum geht diese unsere Stadt, unser Unna, in eine menschenfreundliche, ökonomisch und ökologisch stabile Zukunft zu führen.

Ich kriege öfter mit, dass Leute auf meine Biografie gucken und dann meinen, die hatja nur Ahnung von Kultur. Selbst wenn’s so wäre, was ich nach 20 Jahren in der öffentlichen Verwaltung in Abrede stelle….

Was ist daran falsch, Ahnung von Kultur zu haben?

Immerhin ist „Kultur“ nach modernen Erkenntnissen deutlich mehr als das, was sich aufBühnenbrettern oder in Orchestergräben abspielt. Was ist mit „Soziokultur“, Industriekultur, Musikkultur, Veranstaltungs- und Kneipenkultur und gar politischer Kultur? Und – Welche Bedeutung hat Kultur für eine Stadtgesellschaft?

Kultur ist der Kitt der Gesellschaft, die Hefe im Kuchen und nicht das Sahnehäubchen. Die Wirkung auf gesellschaftliche Prozesse und Erfolge kann nicht hoch genug geschätzt werden. Also was bitte sehr ist falsch daran, wenn eine künftige Bürgermeisterin Ahnung von diesen komplexen Arbeitsfeldern hat?

Einseitige Verwaltungsspezialisten hatten wir in den letzten 16 Jahren genug… Dass mir also Kulturpolitik als Stadtpolitik am Herzen liegt, ist glaube ich klar, daher mache ich es zu diesem Thema kurz: ich stehe für die Umsetzung des Kulturentwicklungsplans innerhalb von zwei Jahren.

Zum Klimaschutz und zur Verkehrswende ist heute auch schon einiges gesagt worden. Fakt ist, die menschengemachte Klimaerhitzung ist keine Meinung, sondern wissenschaftlichuntersucht und belegt. Und wir alle können etwas tun, um die rasante Erdüberhitzung nochaufzuhalten.

… In Kürze werden wir Ideen zu einem neuen Verkehrskonzept für Unna vorstellen, dann kommt auch die Feuerwehr wieder schneller zum Einsatzort, weil nicht alles zugeparkt ist oder sich die Autos stauen. Es reicht nämlich nicht, plötzlich im Jahr 2020 endlich für neue Radwege zu plädieren. Auch da hatten die Mehrheitsfraktionen schon 16 Jahre Zeit welche zu bauen. Wir warten heute noch auf das lang angekündigte Zielkonzept…

Und wenn wir die Schule an der Hertinger Straße bauen, sollten sichere Wege für die Schulkinder als Alternative zu den Elterntaxis direkt am Anfang einer Planung stehen!

…Mit einer Baum- und Pflanzoffensive  wollen wir Luft zum Atmen schaffen, Flächen entsiegeln, Dach- und Fassadenbegrünung fordern und fördern, nicht nur privat sondern auch gewerblich auf den riesigen Flächen von Lager- und Logistikhallen. Wir wollen Angebote machen an die Gärten des Grauens, wieder grünes Leben einziehen zu lassen und nicht auf Hitzeinseln zu schmoren – das müssen wir dringend angehen!

Ausdrücklich unterstütze ich den aktiven Tierschutz hier in Unna…

Wir werden das alles nicht über Nacht realisieren können, das ist mir klar, aber ich bin aus tiefstem Herzen überzeugt, dass wir alle noch genug tun können! Lasst uns mit einem „Green Deal“ für unser Unna in den nächsten 10 Jahren möglichst klimaneutral werden und der Jugend nicht die Zukunft verbauen!

Dafür müssen wir aber auch die Unternehmen und das heimische Handwerk mit ins Boot holen.

Die Gewerbesteuerzahlenden sind eine tragende Säule in unserer Stadt. Klimakrise, Digitalisierung und Globalisierung stellen Unternehmen und Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Die Art, wie wir produzieren und konsumieren, wird sich ändern- auch in der Landwirtschaft. Darüber müssen wir zusammen reden…. zum Beispiel mit der Wiederentdeckung der Kreislaufwirtschaft – das wäre innovativ!

Die Auswirkungen der Wetterextreme wie Hitzesommer oder Starkregenereignisse werden am Ende die Allgemeinheit sonst noch viel, viel mehr kosten.

Den Kohlefans sei gesagt, dass die Ewigkeitskosten des Bergbaus schon jetzt an uns allen hängen, nachdem die Gewinne schon längst verteilt sind. Wir brauchen Investitionen in die Zukunft, in Bildung, Jugendarbeit, Kitas und Familienfreundlichkeit….

Bürgernah bedeutet … auch Bürgerbegehren und auch wenn das Ergebnis von „Unna braucht Eis“ nicht unsere grüne Zustimmung findet, werde ich mich als Bürgermeisterin an den Bürgerentscheid  halten und mit „Unna braucht Eis“ zusammenarbeiten.

Es wäre mir lieber gewesen, man hätte die Halle erst gar nicht verkommen lassen und noch viel lieber wäre es mir gewesen, wenn wir daraus eine Indoor-Trendsporthalle mit Boulderwand, Parcours, Skateanlage usw. für junge Menschen gemacht hätten – ein Angebot, das in Unna immer noch genau so fehlt wie ein richtiger Mountainbikeparkour draußen.

Für junge Menschen in Unna wollen wir das grüne Programm mit und nicht für sie erarbeiten. Ihr seid herzlich eingeladen, eure Zukunft selbst zu machen – auch das ist Bürgernähe.

Als Bürgermeisterin möchte ich einen Bürgerhaushalt einrichten, bei dem die Menschen über Teile der frei verwendbaren Haushaltsmittel mitbestimmen und entscheiden können! Die Nachbarstadt Kamen macht es schon vor und ich sehe keinen Grund, warum die Kreisstadt Unna das nicht auch stemmen könnte.

Klar, da kommt dann wieder direkt die Frage nach den Finanzen, es sei ja eine freiwillige Leistung und überhaupt hat die Stadt ein Ausgabenproblem.

Mal abgesehen davon, dass der städtische Haushalt einen Aufwandsdeckungsgrad von über 100 % hatte, betragen die sogenannten freiwilligen Leistungen nur 10% am Gesamthaushalt. Sie sind aber das Herzstück der Kommunalpolitik, weil es um unsere Lebensqualität geht.

Jugendangebote, Sportplätze, die ich als aktive Fußballerin in der Kreisliga auch gut kenne, dieBibliothek und viele andere Freizeitangebote gehören doch zur Daseinsvorsorge dazu. Wenn ich diese 10% einspare, rette ich keinen städtischen Haushalt, verliere aber einen Großteil dessen, was das Leben in einer Stadt mit ihren Stadtteilen ausmacht – in meinen Augen ist das kein Gewinn!

Ich bleibe dabei, dass die finanzielle Situation der Kreisstadt Unna schlechter geredet wird als sie ist.

Nur – wo bleibt denn das ganze Geld?

Alles eine Frage der Prioritäten, da möchte ich mehr Transparenz für die Bürgerinnenund Bürger – es wird Zeit für einen Kassensturz!

Ich werde mich jetzt aber immer noch nicht daran beteiligen, auf der Verwaltung herum zu hacken, sondern verdiente Kollegen und Kolleginnen als Chefin darin unterstützen ihre Arbeit zu tun. Ich weiß selbst aus meinem täglichen Berufsleben, was Arbeitsverdichtung bedeutet und wie wichtig dabei der Rückhalt auf der Führungsebene ist.

Deswegen werde ich mich dafür einsetzen, dass der öffentliche Dienst seinen Dienst an der Öffentlichkeit auch bürgernah leisten kann.

Jaja die Grünen, die Ökos, die Verbotspartei.….. Ökologie …. hat nichts mit Verboten zu tun, sondern mit Regeln, ohne die es in allen gesellschaftlichen Bereichen nicht geht.

So wünsche mir für Unna eine ökologische Stadtplanung, die nicht nur kleinklein auf einzelne Gebiete schaut, sondernnachhaltige und zukunftsfähige Modelle für das städtische Zusammenleben zum Wohle der Menschen entwickelt.

Sehr deutlich möchte ich mich an dieser Stelle gegen die Einzelhandelsgroßansiedlung in Massen positionieren. Der Stadtteil ist sehr gut nahversorgt durch die bekannten Discounterketten im 3-5 km Radius. Es gibt überhaupt keinen Grund, den vorhandenen Einzelhandel zu beeinträchtigen und dabei noch die letzte gewachsene Naturinselin der Dorfmitte dem Konsum zu opfern…. Was wäre es doch schön, wenn wir vor Ort einen geschützten Grünzug am Massener Bachentwickeln und die Schöpfung bewahren. DAS wäre für mich ein echtes Heimatprojekt!

Wir werden uns natürlich auch den Fragen von Kinderarmut und hohen Transferleistungen stellen müssen. Wohnen in Unna ist auch ein Riesenthema, besonders für diejenigen, die wirtschaftlich schwächer sind. Ich bin froh, dass mit der UKBS in Unna eine starke Partnerin vor Ort ist, die sich dem Ziel von bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnraum in einem intakten sozialen Umfeld verpflichtet fühlt.

Alles in allem treibt mich die Sorge um, dass Unna den Anschluss verliert, wenn es darum geht, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.Lasst uns die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam loslegen!

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5 KOMMENTARE

  1. Es ist doch immer nett wenn auf solchen Veranstaltungen ein neuer Fachausdruck auftaucht der ohne weitere Definition wenig aussagefähig ist. Aber wie es auch sei.
    Klar liegt der Aufwandsdeckungsgrad über 100. Dafür sorgen schon die Steuerzahler die über Gebühr in Unna belastet werden und die ehemals erwirtschaftete Rücklagen die durch ihre Auflösung in das Ergebnis eingeflossen sind.
    Aber auch die Drittklässler die mit Pampers in die Schule gehen damit sie am Unterricht teilnehmen können und der Stadt die Sanierung der Toiletten vorübergehend erspart, tragen zum Ergebnis bei. Und auch die Wildtauben freuen sich darüber, hat doch jede ihren eigenen Pool auf Unnaer Straßen.
    Die Wildbienen und Insekten dagegen würden sich über Blumenbeete im Kurpark und sonstigen Flächen freuen. Aber dafür sorgen ja der Gewerbeverein und private Initiatoren.
    Insofern wundert es mich auch dass die finanzielle Situation in Unna so schlecht geredet wird und warum eine Haushaltssperre verhängt wurde.
    Aber die Frage “wo bleibt das Geld” ist ja nun ausreichen beantwortet, man muss nur mal die vorliegenden, kompetenten Analysen auch mal lesen, verstehen und akzeptieren. U. A im Kulturbereich wo Unna weit über die vertretbaren Verhältnisse lebt.
    Insofern hat natürlich ein Kulturentwicklungsplan unbedingte Priorität in der Umsetzung wird doch da vermutlich das Ergebnis der kulturaffinen Analysten sein die Kulturausgaben um 60% zu kürzen. Und nein: eine Kneipennacht, die ü70 Party und ein angeleuchteter Schornstein einmal im Jahr ist nicht der Kitt der Gesellschaft und die Hefe im Kuchen.
    Das ist in unserer Kleinstadt mit den dörflichen Vororten die Gemeinschaft, das sind die Vereine mit dem Vereinsleben und das sind die Freiwilligen die ihre Freizeit opfern und dafür sorgen dass die Schwimmbäder offen sind, die Bürgerhäuser bewirtschaftet werden und die Sportanlagen und Spielplätze in einem einigermaßen nutzbaren Zustand sind. 
    Also was solls? Freuen wir uns doch auf die Verteilung der versprochenen Überschüsse die bei den geplanten Investitionen dennoch übrig bleiben und in einen Bürgerhaushalts fließen.   

  2. Aus der Rede von Frau Keuchel möchte ich nur einen Punkt herausgreifen, nämlich die Einzelhandelsversorgung in Massen. Frau Keuchel kennt Massen offenbar nicht, Massen besteht eben nicht nur aus dem Massener Hellweg und der Wohnbebauung rechts und links davon. Bei einem Radius von 3-5 Kilometern von dem Frau Keuchel spricht, kann ich nicht mal eben zu Fuß hin und mit vollen Einkaufstaschen zurück. Vernünftige Nahversorgung gehört für mich zur Lebensqualität dazu. Wenn ich jedes mal mit dem Auto fahren muss, um meinen Bedarf zu decken hat das auch nichts mehr mit Umweltschutz zu tun.
    Ob der angedachte Standort der richtige ist, darüber kann man streiten und möglicherweise einen besseren finden. Aber ein Nahversorgungszentrum generell abzulehnen, wie es Frau Keuchel tut ist für mich nicht akzeptabel.