„Verp**s dich in dein Land!“ – Das erste Mal in 45 Jahren in Unna Rassismus erlebt

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Mit Schildern wirbt die Stadt für Toleranz und Vielfalt, wie hier am Evangelischen Kirchplatz. (Foto RB)
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Und das ausgerechnet noch bei einer Demo gegen Gewalt.

Esref Dibekli ist immer noch nachhaltig schockiert.

„Hallo Rundblick Unna Team“, schrieb uns der in Königsborn lebende Familienvater am Freitagabend. „Ich war heute Mittag mit meiner Familie in der Stadt etwas essen.

Während wir gegessen haben im Restaurant Nane gegenüber der Sparkasse,  haben wir Trillerpfeifen gehört. Da auch unter anderem mein 10-jähriger Sohn dabei war, sind wir aus dem Laden raus, weil wir wissen wollten, was los war.

Da sah ich viele Frauen mit Plakaten: Keine Gewalt gegen Frauen“. 

(Anm. d. Red.: Aus Anlass der weltweiten Kampagne „One Billion Rising“ am Freitag gab es erstmals auch in Unna eine öffentliche Aktion. HIER berichteten wir.)

Esref Dibekli berichtet, was dann passierte:

„Eine Frau mit Flyern kam auf mich zu, wollte mir einen davon geben. Ich habe dankend abgelehnt.

Was danach passiert ist, hat mich echt sprachlos gemacht – immer noch. Die Frau hat mich als „dummes Arschloch“ bezeichnet – ich sollte mich „in mein Land verpissen“. 

Esref Dibeklis Land ist Deutschland. Er wurde 1975 in Unna geboren, ist hier aufgewachsen und hat immer hier gelebt.

Er erzählt uns weiter:

„Ich ärgere mich, dass ich der Frau nicht gefolgt bin und ihr meine Meinung gesagt habe. Ich habe zwar beim Vorbeigehen die Polizei gesehen, war aber noch total fassungslos. Mich hat das total geschockt.“

Esref Dibeklis kleiner Sohn bekam zum Glück nichts von der hässlichen Verbalattacke mit, schildert sein Vater: „Er war von den vielen Trillerpfeifen völlig fasziniert und abgelenkt.“

Ob er solchen Rassimus öfter erlebt? „Nein“, sagte Esref, „zum ersten Mal.“

Obwohl der Königsborner Familienvater von Hass gegen ihn erfüllte Frau noch nie gesehen hatte, erstattete er am Samstag Anzeige wegen Beleidigung. Gegen Unbekannt, die Erfolgsaussichten sind gering. Er hofft, dass dieses negative Erlebnis ein Einzelfall bleiben wird.

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