Schüsse, Geschrei – Aggressiver Nachbar verbreitet Angst in Massener Mietshaus

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Symbolbild Aggression, Bedrohung / Quelle Pixabay
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Mal ballerte er mit einer Schreckschusswaffe auf dem Grundstück herum, mal randalierte er im Hausflur, bedrohte Mitbewohner.  Ein aggressiver neuer Mieter jagt Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Unna-Massen Angst ein.

Der Unnaer Polizei ist der Mann durch mehrfache Einsätze bekannt, konkrete Handhabe hat sie bisher nicht gegen ihn.

Eine Mieterin des Hauses, die aus Furcht vor „Racheaktionen“ des aggressiven Mitbewohners anonym bleiben möchte  (wir nennen sie Nadine W.), schilderte unserer Redaktion die Problematik. „Wir fühlen uns hier alle sehr allein gelassen.“

Ende vorigen Jahres zog der neue Mieter bei seiner Lebensgefährtin in dem Mehrfamilienhaus in Massen ein. Die Frau habe ihn ihn in einem Wohnprojekt für Menschen mit Drogenproblemen kennengelernt, weiß Nadine W.. Zwei Kinder aus der früheren Beziehung der neuen Lebensgefährtin leben mit in der Wohnung.

An Silvester, erzählt Nadine W., habe der neue Nachbar „mit einer Schreckschusswaffe bestimmt zwei Stunden herumgeschossen. Vor der Haustür sah es aus, als hätte eine wilde Schießerei statt efunden. Da wurde schon die Polizei informiert. Die sind auch gekommen und haben sich die Hülsen angeschaut. Sind aber dann wieder gefahren, haben bei dem nicht mal angeschellt.

Ein paar Tage später waren unsere Kinder mit den beiden Nachbarskindern draußen.  Abends konnten die Nachbarskinder nicht in die Wohnung, saßen im Hausflur. Die Mutter war mit ihren neuen Lebensgefährten unterwegs. Die ältere Tochter konnte sie telefonisch nicht erreichen. Wir haben die beiden Kinder dann erstmal zu uns in die Wohnung geholt.

Wir haben immer wieder versucht, die Mutter zu erreichen. Als es 20.30 Uhr war, haben wir versucht, den Opa anzurufen und ihm gesagt, dass die Kinder nicht in die Wohnung können und hier bei uns sind. Der Opa wollte auch versuchen, die Mutter zu erreichen und hat uns darum gebeten, dass die Kinder bei uns bleiben können. Ca. eine Stunde später kam dann die Mutter und hat die Kinder abgeholt.

Einige Tage später ist die Polizei wieder hier gewesen und wollte zu den Nachbarn. Der Grund war, dass er an den Glascontainern wieder mit einer Schreckschusswaffe rumgeschossen hatte. Ein paar Kinder haben es gesehen und sind nach Hause gelaufen. Deren Eltern haben dann die Polizei gerufen.

An einem Tag Ende Januar schellte es plötzlich bei uns: Unser Nachbar stand mit seiner Frau vor der Tür. Er wollte meinen Mann angehen, hat ihn beschimpft und bedroht. Eine ältere Nachbarin bekam das mit, wollte die Polizei rufen. Der Nachbar wirkte total mit Drogen zugezogen.

Wir haben dann einen Tag später mit der Polizei gesprochen, weil wir uns hier nicht mehr sicher fühlen. Er bedroht hier die ganze Nachbarschaft, wenn er sich mit Drogen zugezogen hat. Die Polizei sieht aber keine Handhabe, um ihn von hier zu entfernen.

Das Jugendamt haben wir auch informiert. Diese sind auch am selben Tag mit der Polizei gekommen, haben sich hier alles angeschaut, und die Polizei hat wegen der Schreckschusswaffe eine Hausdurchsuchung gemacht. Auch da haben wir uns andere Nachbarn nochmal mit den Polizisten geredet. Wieder können die nichts machen.

Neulich, Anfang Februar, wollten mein Mann und ich gerade laufen gehen. Da hörten wir eine andere Nachbarin, eine ältere Dame, die immer wieder rief: Lass die Kinder in Ruhe, oder ich rufe die Polizei!

Sie hatte mitbekommen, wie der Nachbar rumgeschrien hat, mehrmals die Türen knallte und dass die Kinder heulten. Sie hörte auch, dass eines der Kinder sagte: Schlag uns nicht wieder.  Dann sah meine Nachbarin, als er die Tür öffnete, dass er ein Kind am Kragen hatte. Er hat es losgelassen und wollte auf die ältere Dame losgehen. Mein Mann stellte sich in den Weg.

Der Nachbar war hoch aggressiv hat uns alle bedroht und beschimpft. Er schrie auf einmal, dass er jetzt was holt und wir alle was erleben könnten. Er wollte ein Messer holen. Das haben wir später auch bei der Polizei angegeben.

Wir haben uns dann alle in Sicherheit gebracht und die Polizei gerufen. Die kam dann auch und ist erstmal in die Wohnung gegangen.

Einer hat mit den Kindern gesprochen. Die haben natürlich aus Angst nichts gesagt. Laut Aussage der Polizei haben die Kinder auch keine Blessuren. Gott sei Dank. Ich verstehe auch die Kinder, dass die nichts sagen. Die wollen bestimmt von der Mama nicht weg oder haben Angst, ihre Mama alleine zu lassen. Und wieder konnte die Polizei nichts machen.

Nachdem die Polizei weg war, war so ca. eine Stunde Ruhe. Dann ging es oben wieder los. Er knallte stundenlang die Türen in der Wohnung und schrie rum. Das ging bis spät in der Nacht.

Wir wissen hier auch nicht mehr weiter. Das Jugendamt weiß über den Vorfall schon Bescheid und wird sich um die Kinder kümmern. Wir und die Nachbarn müssen am Donnerstag auch noch zu Aussage.

Aber den Typen haben wir immer noch hier. Wir haben schon überlegt, ob man ihn zwangseinweisen lassen kann oder so. Der ist ja für uns alle eine Gefahr.

Heute, am Sonntag (23. 2.),  musste die Polizei wieder kommen. Er hat die ältere Frau unten bedroht, dass er sie abschlachten wird, weil sie ihn die Tür nicht offen gehalten hat.

Die Polizei schrieb eine erneute Anzeige und ist dann wieder gefahren.

Wir sind 5 Mietparteien, die in Angst leben.“


Das sagt die Kreispolizei Unna zu dem Problem:

Laut Behördensprecher Christian Klein ist die Unnaer Polizei „sensibiliert für das Problem“.

„Es wurden wegen dieses 42-jährigen Mannes vermehrt Einsätze gefahren. Eine Gefährderansprache wurde durchgeführt. Als Kerninformation kann ich weitergeben: Es ist ein akutes Strafverfahren eingeleitet worden. Er wird vorgeladen.“

Christian Stein rät den Nachbarn eindringlich zu Besonnenheit. Die Situation sei sicherlich sehr schwierig und problematisch. Jedoch unterstreicht er:

  • Nichts auf eigene Faust unternehmen!
  • Bei weiteren Auffälligkeiten sofort wieder die Polizei rufen – immer wieder anrufen.
  • Besser einmal zu viel als einmal zu wenig.“

Die Schwierigkeit der Polizei, verhaltensauffällige und gewaltbereite/-tätige Personen „aus dem Verkehr zu ziehen“, hatten wir ausführlich in einem Fall aus dem Jahr 2017 in Königsborn beleuchtet, als ein psychisch auffälliger Mann über Monate hinweg auf der Straße Passanten angriff und für Schrecken sorgte. Er „musste“ erst mit einem Messer bewaffnet eine Bäckerei überfallen, bis er längerfristig weggeschlossen wurde.

Auch gegen einen gewalttätigen Asylbewerber aus Fröndenberg hatte die Polizei über Monate hinweg keine ausreichende Handhabe. 

HIER berichteten wir über diese Fälle und Antworten der LWL-Klinik darauf.

 

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