Seit zwei Jahren nicht vermittelt und „sehr aggressiv“ – Spike soll sterben

1
18404
Rüde Spike. (Foto: Tierschutzverein Lüdenscheid)
Facebookrss

Seit zwei Jahren wird Spike auf einer Pflegestelle versorgt, konnte bisher nicht vermittelt werden. Denn er ist absolut kein Hund für Anfänger. Er darf nur in sehr erfahrene und konsequente Hände, sonst wird es gefährlich. Sein Herrchen sitzt seit Frühjahr 2018 im Gefängnis; konkret in der Justizvollzugsanstalt Schwerte. Niemand wollte Spike bislang dauerhaft aufnehmen.

Nun soll der Molosser-Mischling eingeschläfert werden.

Ein Tierschicksal aus Lüdenscheid.

Der Molosser-Mischling gilt als „gelisteter“ Hund laut dem Landeshundegesetz NRW als „besonders gefährlich“. Spike ist nach bisherigen Einschätzungen  „nicht gesellschaftsfähig“ und aggressiv. Deshalb soll der ca. 5 Jahre alte Hund jetzt sterben.

Auf der Homepage des Tierschutzvereins Lüdenscheid/Tierheim Dornbusch stellt sich der Rüde wie folgt vor:

„Ich bin meinem Menschen treu und anhänglich. In Begegnungen mit Fremden zeige ich mich jedoch höchst wachsam und äußerst skeptisch.

Ok, ich gebe zu, am liebsten würde ich alle aus dem Weg schaffen und nur ganz allein mit meinem Menschen auf dieser Welt sein. Aber das geht ja leider nicht…

Wie ihr schon merkt, bin ich absolut kein Anfängerhund. Ich brauche wirklich hundeerfahrene („Ich hatte mal einen Labbi“ zählt nicht dazu), souveräne Halter, die mir klare Ansagen geben können und mir körperlich gewachsen sind. Denn ich bin ein wahres Kraftpaket!

Ich werde ausschließlich mit Maulkorb und doppelter Sicherung geführt. Kinder, Artgenossen und andere Tiere sollten nicht im Haushalt leben. Am liebsten wäre mir ein großer Hof, abgelegen und sicher umzäunt. 🙂

Ich weiß, dass ich nicht gaaaaaaaaaaanz so einfach zu vermitteln bin, aber trotzdem habe doch auch ich eine Chance verdient. Bei Interesse könnt ihr euch bei meinem Pflegefrauchen melden.“

Laut wa.online sitzt der 23-jährige Halter des Hundes wegen räuberischer Erpressung seit April 2018 in der JVA Schwerte ein. In einem Brief teilte ihm das Ordnungsamt Lüdenscheid jetzt mit, dass es beabsichtigt sei, Spike „auf Anordnung einschläfern zu lassen“.

Denn: Die Kosten für Spikes Unterbringung „übersteigen den Wert des Hundes um ein Vielfaches“.

Hintergrund: Die Stadt Lüdenscheid hat nach eigenen Angaben bereits ca. 15.000 Euro für Spikes Pflege und Erziehung bezahlt. Täglich fallen demnach 20 Euro an.

Das Gesetz erlaube es, so das Ordnungsamt in seinem Schreiben, einen sichergestellten Hund bereits nach einem Jahr „zu verwerten.“ Spike sei jetzt seit fast zwei Jahren in der Pflegestelle, „doch ist mit einer Änderung der Situation nicht zu rechnen“.

Spikes Pflegefrauchen ist eine erfahrene Hundetrainerin und auf die Resozialisierung aggressiver Hunde und deren Vermittlung spezialisiert. Laut ihr hat der Rüde zwar ein auffälliges Aggressionspotenzial, mache aber langsam Fortschritte. Sie nimmt an, dass ihn jemand  „für Delikte wie räuberische Erpressung trainiert und benutzt hat“.

Die Freundin des Häftlings, so die Hundeexpertin, hätte ihr über Spike gesagt: „In der Wohnung geht’s einigermaßen. Aber draußen ist er eine Bestie.“ Der 23-Jährige selbst erklärt hingegen gegenüber seiner Anwältin, Spike sei immer „superlieb“ gewesen, auch auf Spaziergängen bei der Begegnung mit anderen Hunden.

Die Rechtsanwältin bezeichnet in ihrem Widerspruch die Tötung des Hundes „vor dem Hintergrund der Kosten“ als „rechtswidrig“. Sie hat Akteneinsicht beantragt. Ihr Mandant habe jetzt einen Job in der JVA, will die Hälfte seines Lohns – 100 Euro im Monat – für Spikes Leben geben.

Dass das nicht so einfach gehe, wie die Stadt sich das vorstellt, betont auch der Tierschutzverein Lüdenscheid. Zunächst müsse ein Fachtierarzt ein Gutachten erstellen. Befürwortet dieser eine Einschläferung, tritt eine Kommission zusammen aus Kreisveterinäramt, Tierschutzverein, Ordnungsamt und Fachtierarzt. Dies, damit der Hund nicht ausschließlich wegen der Kosten getötet werde, sondern weil ihm wirklich nicht mehr geholfen werden könne.

Die Anfrage der örtlichen Zeitung, wieso Spike sterben soll, beantwortete ein Sprecher der Stadt Lüdenscheid wörtlich wie folgt:

„Die Entscheidung, ein Lebewesen womöglich einschläfern lassen zu müssen, fällt uns alles andere als leicht. Wir bedauern das sehr. Allerdings hat uns die Hundetrainerin, die sich seit rund zwei Jahren um Spike kümmert, bescheinigt, dass dieser Hund sehr aggressiv und gefährlich ist.“ Es habe sich leider in zwei Jahren niemand gefunden, der so erfahren sei, dass er Spike aufnehmen könne.

Facebookrss