Gespenstisches Flatterbandrascheln in Ghost City… vorbereitet auf die Ausgangssperre: Was ist das eigentlich?

0
3422
Menschenleer: Der Himmelmannpark in Fröndenberg am fmit abgeflatterten Spielbereichen am Spätnachmittag des 20. März. (Foto RB)
Facebookrss

Gespenstisch raschelt das rotweiße Flatterband rund um die abgesperrten Spielanlagen im Fröndenberger Himmelmannpark im Wind, der Park ist buchstäblich gottverlassen, wie leergefegt an diesem sonnigen Spätnachmittag am Samstag, 21. März, an dem allerdings ein schneidend kalter Wind pfeift. So still ist der Park, dass es in den Ohren dröhnt. Man fühlt sich wie in einen Katastrophenfilm katapultiert.

Es scheint, als habe der dringliche Appell gefruchtet, den Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe gestern an die Bürger seiner Stadt gerichtet hat, um sie ans unbedingte Befolgen der ordnungsbehördlichen Anordnung gegen die Corona-Ausbreitung zu mahnen. Die Kleinstadt an der Ruhr wirkt am späten Nachmittag wie ausgestorben.

Vor der verlassenen Tourist-Information quietscht ein Rad-Wegweiser im Wind. Rund um die beiden verlassenen Kirchen kreisen krächzend große Schwärme Krähen. Es scheint Endzeitstimmung ausgebrochen an diesem Samstag, der laut NRW-Ministerpräsident Armin Laschet darüber entscheiden wird, ob den immer drastischeren Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Tagen nun noch das drastischste Instrument folgen soll, die Ausgangssperre.

Diese, als Ausgangs“beschränkung“ noch mit Ausnahmen ausgestattet, gilt bereits seit 0 Uhr an diesem Samstag in mehreren Bundesländern unter der Speerspitze Bayerns. NRWs Landesvater Laschet zögert immer noch, obgleich im bevölkerungsreichsten Bundesland die Zahlen der neu Infizierten (der regestrierten neu Infizierten) so rasend nach oben schnellen wie in keinem anderen der 15 Länder; als erste Großstadt in der Nachbarschaft hat mit diesem heutigen Samstag Dortmund die Schrauben noch weiter angezogen und fürs gesamte Stadtgebiet ein Ansammlungsverbot erlassen.

In Fröndenberg ist eine kleine Ansammlung von 4 Jugendlichen heute auf der Treppe am Friedhof zu sehen. Ansonsten wirkt die Kleinestadt an der Ruhr,  in der zugegebenerweise auch sonst nicht gerade der Bär auf den Straßen steppt, an diesem Samstag derart ausgestorben, dass es die Vorstellungskraft übersteigt, was hier noch eine weitere Verschärfung der Anordnungen bewirken könnte. Ein Frisörgeschäft an der Alleestraße, das laut Verordnung als eine der wenigen Branchen sogar noch geöffnet haben dürfte, hat freiwillig geschlossen. Betriebsferien, teilt das Schild im Schaufenster mit.

Ausnahmezustand auch beim samstäglichen Lebensmitteleinkauf. In den Edeka sollten, „wenn möglich“, keine Kinder mehr mitgebracht werden, pro Einkauf soll es bitte nur ein Kunde sein, auf Abstande wird freundlich hingewiesen, immer wieder Abstand.  Jede zweite Kasse ist abgeflattert, Abstandstreifen sind auf dem Boden angebracht. Alles wird weitgehend korrekt befolgt. Aber dies ist eben auch eine schon im Normalzustand eher schläfrig-gemütliche Kleinstadt…

Doch auch gemütliche „Schlafstädtchen“ habe sich bereits auf die nächste Verschärfung vorbereitet, dies offenbaren zwei rotweiße Sperrbaken, die am Eingang des Himmelmannspark angelehnt stehen. Bestückt mit einem Schild „Durchgang verboten“. Die Stadt Freiburg hat es am Freitag schon mit ihren „Betretungsverboten“ vorgemacht. Und verschiedene Arbeitnehmer berichten, dass sie von ihren Arbeitgebern am Freitag bereits vorsorglich entsprechende Bescheinigungen mitbekommen haben. Für alle Fälle.

Mit dem heutigen Samstag, 21. März, gibt es 93 registrierte Covid-19-Infizierte im Kreisgebiet.

Ausgangssperre/Ausgangsbeschränkung – was bedeutet das?

WICHIG:

Zur Unterscheidung von Ausgangssperren mit ausnahmslosem AUSGEHVERBOT und amderseits (weitreichenden) Möglichkeiten, das Haus zu verlassen, sprach die Bayerische Staatsregierung von AusgangsBESCHRÄNKUNGEN.

Eine Ausgangsbeschränkung, wie sie für die nächsten 14 Tage z. B. in Bayern, Dresden, Freiburg oder Hamburg gilt, bedeutet NICHT, dass die Bürger 24 Stunden in den eigenen vier Wänden zwangseinkaserniert werden.  Sie dürfen ihre Wohnstätten nur noch zu bestimmten Zwecken verlassen. Darunter fallen in der Regel

  • Arbeitswege
  • notwendige Einkäufe
  • Arzt-, Tierarzt- und Apothekenbesuche
  • Besuch von Lebenspartner, Alten, Kranken und Menschen mit Einschränkungen
  • die Begleitung Sterbender sowie Beerdigungen im engsten Familienkreis mit einer streng begrenzten Teilnehmerzahl (z. B. 10)
  • Sport und Bewegung an der frischen Luft – ausschließlich allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushaltes. Das schließt Spaziergänge oder Radfahren mit der eigenen Familie ein.
  • Versorgung von Tieren

Die Bürger müssen während der Ausgangsbeschränkung damit rechnen, von Polizei oder Ordnungsamtmitarbeitern nach den triftigen Gründen gefragt zu werden.

 

Facebookrss