Corona-Tests trotz Symptomen verweigert: Was sagt die Zahl der „Infizierten im Kreis“ (jetzt 108) aus?

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Coronavirus / Foto Pixabay
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Kein Test – obwohl der junge Mann deutliche Symptome hatte und sich rapide schlechter fühlte. Er wurde nach Hause geschickt.

Immer häufiger stellen User in Facebook-Foren kritische Fragen nach der Aussagekraft der Infiziertenzahlen, die die Kreisverwaltung Unna täglich aktualisiert herausgibt.

  • Mit Stand von heute (23. 3.) liegt sie bei 108, erneut zehn mehr als gestern. „Die Veränderungen in zwei Städten (Bergkamen und Kamen) haben mit einer Bereinigung der Statistik zu tun“, informiert der Kreis. „So wurden in der Richtung Kreis abgesetzten Infektionsschutzmeldung dem Kreis Unna Personen zugeordnet, die hier z.B. noch gemeldet sind, ihren Wohnsitz aber in eine andere Kommune (außerhalb des Kreises) verlegt haben.“

Wie aussagekräftig sind aber diese Zahlen?

Immer mehr Leser/innen berichten davon, dass sie entweder unter den angegebenen Telefonnummern auch in sprichwörtlichen Stunden Wartezeit niemanden erreichten oder dass ihnen der Test verweigert wurde.

Ein Rundblick-Leser, Marcel P.,  schilderte uns am Freitag ein einschlägiges Erlebnis:

Seine Frau sei Physiotherapeutin. Einer ihrer Kollegen, Mitte 20, aus Nordbögge, stellte Symptome des Corona-Virus bei sich fest. Sein Gesundheitszustand wurde und wird zunehmend schlechter.

„Er war daraufhin beim Kreisgesundheitsamt, um sich testen zu lassen. Das Aamt hat ihm den Test verweigert – mit der Begründung, dass er sich nicht einem Risikogebiet aufgehalten hat.

Da hört das Verständnis bei uns auf“, kritisiert Marcel P.:

„Warum werden nur Betroffene aus einem Risikogebiet getestet? Der Kollege meiner Frau ist als Mitarbeiter in einem medizinischen Beruf jeden Tag den unterschiedlichsten Patienten ausgesetzt und kann sich somit bereits infiziert haben.“

Marcel P. vermutet, dass die Dunkelziffer der inzwischen Infizierten um ein Vielfaches höher liegt als die täglich veröffentlichten Zahlen des Kreises (108 zum heutigen Montag). „In meinen Augen ist das Gesundheitsamt sehr fahrlässig mit dieser Situation umgegangen“, kritisiert er. „Vermutlich wegen mangelnder Kapazitäten oder Ähnlichem.“

Mehrere andere Leserinnen und Leser berichteten von ähnlichen Schwierigkeiten. So schilderte eine junge Erzieherin, die in einem Kindergarten tätig ist: „Ich hatte auch nach einem Test gefragt, nachdem ich starke Halsschmerzen und Fieber hatte. Er wurde mir auch verweigert, weil ich nicht mit einer positiv getesteten Person zusammen war – dafür aber mit ganz vielen Kindern…!“

Eine andere Leserin moniert: „Leider bekommt man keinen ans Telefon, wenn man versucht, seinen Arzt anzurufen. Was tun, wenn man krank wird und nicht zum Arzt gehen soll bei eventuellem Verdacht auf Corona? Beim Gesundheitsamt das gleiche. Überall dauerbesetzt. Für das Problem MUSS es eine Lösung geben!“

Das Kreisgesundheitsamt hatte bereits vor einer Woche – als die Zahl der Infizierten erst bei 20 lag – öffentlich Überlastung gemeldet.

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Zum aktuellen Fall des jungen Böneners fragten wir heute (23. 3.) beim Kreis an. Sprecherin Constanze Rauert nahm wie folgt dazu Stellung:

„Die Information ist auch bei uns im Kreishaus angekommen. Eine Kontaktaufnahme seitens der Kreis-Gesundheitsbehörde ist bereits erfolgt.

Zum besseren Verständnis: Über das Infotelefon, E-Mailverkehr usw. gehen auch in der Gesundheitsbehörde des Kreises Unna eine Vielzahl von Fragen insbesondere zum eigenen Verhalten ein. In dem Zusammenhang werden auch Wünsche zu Tests geäußert bzw. die Notwendigkeit dafür gesehen.

Der Kreis Unna agiert in der Corona-Krise auf der Grundlage der vom Robert-Koch-Institut (RKI) getroffenen Regelungen. Und das RKI sieht z.B. nur in bestimmten Fällen (insbesondere Rückkehr aus Risikogebiet, Kontakt zu einem nachweislich Infizierten, einschlägige Symptome) einen Test vor.

Wir haben in unseren, im Internet unter www.kreis-unna.de veröffentlichten und regelmäßig aktualisierten FAQs Antworten auf unterschiedlichste, insbesondere über das Infotelefon eingehende Fragen zusammengefasst.

Eine sehr gute Zusammenstellung von Fragen = Antworten findet sich auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums: https://www.zusammengegencorona.de/informieren/informationen-zum-test/.“

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