Erzieher/innen und Pflegedienste schlagen Alarm: Dringend nötige Schutzkleidung fehlt!

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Symbolbild, Quelle Pixabay
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Zum Montag dieser Woche hat die NRW-Regierung die Bedingungen erweitert, unter denen Eltern ihre Kinder in eine Notbetreuung geben können.

Was den (schon jetzt spürbaren) Personalmangel in „systemkritischen Berufen“ abmildern soll, hat eine Kehrseite, die die Mitarbeiter/innen in den Kitas und Schulen zunehmend besorgt: Denn trotz der nun weiter steigenden Zahl der Kinder, die betreut werden müssen, gibt es keine Schutzkleidung für die Erzieher/innen und Betreuer/innen in den Kitas und Schulen.

„Wir müssen im direkten Körperkontakt ohne Schutzkleidung mit noch mehr Kindern arbeiten“, schilderten uns mehrere Erzieherinnen aus dem Kreis Unna die für sie alarmierende Situation. „Kleine Kinder halten keinen Sicherheitsabstand und sind ohne ständige Anweisung kaum in der Lage, die Hygieneregeln einzuhalten. Haben Erzieher/innen kein Recht auf den Schutz ihrer Gesundheit und den ihrer Familien??“

Ähnliches berichten unserer Redaktion ambulante Pflegekräfte. Auch hier fehlt es frappant an Schutzmaterialien.

 

Es heißt in den Medien ständig: Es wird ausgeliefert. Aber bei uns kommt nichts an, kein Lieferant ist erreichbar“, beschreibt uns Ursula Balzer vom Pflegeteam Ruhr Fröndenberg den Ernst der Lage.

Wir brauchen dringend Desinfektionsmittel, wir brauchen Handschuhe etc. Wenn wir nichts bekommen, werde wir handlungsfähig. Was ist dann mit den ganzen Patienten im häuslichen Bereich?“ Ursula Balzer warnt eindringlich: „Es wird zum Pflegenotstand kommen!“

Das Marktforschungsinstitut Psyma, in der Branche für seine Care Klima-Index-Studie bekannt, präsentierte jetzt die Ergebnisse einer kleinen Umfrage unter Pflegekräften. Zum zweiten Mal in zwei Wochen wurden 197 Pflegefachkräfte befragt. „In der ambulanten Pflege zeigen sich erste Anzeichen für wachsende Schwierigkeiten.“ Die erste Umfrage lief vom 3.-12., die zweite vom 16.-17. März.

In der Umfrage nannte jeder zweite Befragte als größtes Problem das fehlende und teilweise auch unzureichend qualifizierte Personal (47 Prozent). Gleich danach folgt mit 41 Prozent die unzureichende Versorgung mit Schutzmaterialien wie Mundschutz. 19 Prozent nennen einen Mangel an Desinfektionsmitteln.

Auch in anderen Bundesländern, etwa in Niedersachsen, erreichen die Pflegekammer aktuell zahlreiche Anfragen ambulanter Pflegediensten, denen einfachste Schutzmaterialien wie Mund- und Atemschutzmasken, aber auch Desinfektionsmittel, ausgehen.

Die Kassenärztliche Vereinigung warnte schon am 4. März: „Das größte Problem derzeit ist die angespannte Lage in Bezug auf die Verfügbarkeit von Schutzausrüstung für die Behandlung und Testung von Patienten mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-19. In vielen Praxen fehlen Schutzkleidung, Masken, aber auch Desinfektionsmittel.“ Gesundheitsminister Laumann kritisierte seinerseits Kliniken und Praxen, die aus seiner Sicht die Vorsorge vernachlässigt hätten.

Für den Schutz in Kitas und Schulen wurde bereits eine Online-Petition gestartet, die  ausreichende Schutzkleidung/Maßnahmen fordert. Die Gewerkschaft Ver.di schlägt jetzt Alarm, fordert, dass die Einrichtungen unterstützt werden.

Trotz mehr als 56.000 Unterschriften verhalte die Landesregierung sich ignorant, arrogant und abweisend.

Hier geht es zur Online-Petition:
https://secure.avaaz.org/…/landesregierung_nrw_herr…/…

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Das NRW-Gesundheitsministerium stellte zum 24. 3. einen neuen Erlass online:

Verteilung von Schutzmaterial für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe zur Verhinderung von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2

Dieser Erlass regelt die Verteilung von beschafften Schutzmaterialien zur Weiterverteilung über die Bezirksregierungen. Niedergelassene Ärzte sind nicht aus diesen Lieferungen zu versorgen. Hierfür ist eine gesonderte Verteilstruktur über die Kassenärztlichen Vereinigungen vorgesehen. Die Versorgung in diesem Bereich erfolgt unmittelbar vom Bundesministerium für Gesundheit.

 

 

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