Per Einbahn in die City? Leserkritik an grünen Ideen für die Hertinger Straße

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Kollwitz-Ring/Hertingerstraße. (Foto RB)
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Zu einer Umgestaltungsidee der Unnaer Grünen für die Hertinger Straße (siehe unser Bericht über das Verkehrskonzept für den Schulneubau am Hertinger Tor)  nimmt dieser Leser Stellung:

„Das neue Verkehrs“konzept“ der Grünen an der Hertingerstraße und den Schulneubau hat dessen Namen nicht verdient.

Der Vorschlag einer Einbahnstraße von der B1 in die Innenstadt ließe sich Eins zu Eins für jede beliebige Straße austauschen, welche den Ring mit der B1 verbindet. Hierbei wird nicht auf die örtlichen Gegebenheiten eingegangen, geschweige denn auf den Schulneubau.

Wie kann man mit grünem Gewissen den Besuchern von Mertens Baustoffe erklären, dass sie eine Runde von mindestens 2,7km fahren müssen, wenn man vorher nur 70m auf die B1 brauchte. Wie kann man sowas in Zeiten des Klimawandels, gerade als Grüner, verwantworten?

Man verkauft den Bürgerinnen und Bürgern in Unna das als Verkehrskonzept, wobei viele Fragen offen bleiben und sich der Verkehr in Unna dann noch mehr staut. Was ist mit den Krankenwagen, die Richtung B1 müssen? Wie staut es sich dann an der Ampel Hertingerstraße/Ring?

Rechtsabbiegen ist meist nicht möglich, wenn ein Auto geradeaus in die Innenstadt fährt und an der Ampel wartet. Wie kommen Anwohner der Hertinger Straße und deren Zufahrtsstraßen auf die B1? Über den Ring und die Iserlohner-Straße?

Da freuen sich die Anwohner und die Fahrradfahrer, die diese Strecke nutzen bestimmt über den erhöhten Verkehr. Oder doch über die Gerichtsstraße / Ziegelstraße durch ein Wohngebiet mit engen Straßen und Spielplätzen, um dann am Ende den Patienten des EVK´s mit Motorengeräuschen zu betören?

Verkehrsplanung der Stadt im Zuge des Schul- und Kitaneubaus

Bei all diesen offenen Fragen ist noch nicht einmal der erhöhte Verkehr des Schulneubaus enthalten. Parkplätze, sichere Schulwege, Bushaltestellen etc.? Davon ist nichts zu lesen. Im Antrag steht sogar offen, dass man gar nicht weiß, ob die Ausweichstraßen das Ganze stemmen könnten und, dass es den Grünen vornehmlich um die 9 Bäume geht, die ansonsten gefällt werden müssten.

Also zusammenfassend kann man sagen, dass das Konzept der Grünen den Namen nicht verdient hat, sondern eher ein flüchtiges Gedankenspiel ist, welches mehr Fragen aufwirft, als dass es beantwortet. Auch in der Schule bekommt man keine 1, nur weil man einmal, ohne nachzudenken, etwas in die Klasse ruft.“

Benjamin Lehmkühler, Unna

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2 KOMMENTARE

  1. Guten Abend Herr Lehmkühler, im Gegensatz zu Ihnen würde ich die Einbahnstraße gerne genießen. Sind Sie schon einmal mit dem Fahrrad ab Ring stadtauswärts oder einwärts gefahren? Lebensgefahr ist da garantiert. Für den Autoverkehr stehen mit Feldstraße, Iserlohner und Morgenstraße leistungsfähige Straßen zur und von der Innenstadt zur Verfügung. Von der Gartenvorstadt, einem großen Siedlungsschwerpunkt aus, gibt es keine richtige Alternative für Menschen, die mit Rad oder zu Fuß in die Innenstadt streben. Wenn Sie einmal an der Einmündung Hertinger Straße in den Verkehrsring mit Kindern die Fahrbahnen queren, wissen Sie, warum zum Schutz der Kleinsten und Schwächsten hier eine Einbahnstraße notwendig wäre – auch ohne neues Grundschulzentrum. Sie argumentieren ausschließlich aus Sicht des Autofahrers – es gibt auch noch Menschen, die ohne PKW mobil (sein müssen). Liebe Grüße – in der Hoffnung auf einen produktiven Diskurs Günther Klumpp

  2. Hallo Herr Klumpp,
    erst einmal danke für Ihren Kommentar und Ihren durchaus nachvollziehbaren Gedanken.
    Ich selbst wohne an der Hertinger Straße und fahre im Sommer dort häufiger mit meinem Rad Richtung Billmerich oder Innenstadt. Die Lebensgefahr dabei ist nicht höher, als an vielen anderen Stellen in Deutschland. Seit ich hier wohne, gab es dort keinen Unfall mit Radfahrern und auch die Recherche im Netz zeigte auch keine anderen Ergebnisse. Ich nehme ehrlicherweise hierbei die Unfälle an der B1 und dem Ring aus, da diese Unfälle nicht auf die Strassenführung der Hertinger Straße zurückzuführen sind, sondern an der Beschaffenheit der Kreuzungen, weshalb hier auch keine Änderung bei einer Einbahnstraße zu erwarten wäre. Das subjektive Empfinden mag Ihnen das Gefühl von Gefahr vermitteln, allerdings sprechen die Fakten doch eher auf Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer untereinander.
    Sie schreiben, dass Feldstraße, Iserlohner und Morgenstraße den Verkehr aufnehmen könnten. Woher nehmen Sie die Erkenntnis? Ich bezweifel einfach mal, dass Sie sich an die jeweiligen Straßen gestellt haben und das Fahrzeugaufkommen gezählt haben. Haben Sie mit den Anwohnern der jeweiligen Straßen gesprochen, wie die es finden würden, wenn der Verkehr über ihre Straßen umgeleitet wird? Was sagen Schüler und Eltern, die die dort ansässigen Schulen besuchen und auch zu Fuß und mit Rad den Gefahren des höheren Verkehrs ausgesetzt sind?
    Ihren Punkt, dass es nur eine Möglichkeit von der Gartenvorstadt in die Innenstadt zu kommen sehe ich nicht als Problem an. Die Wege sind, wenn man die Fakten betrachtet, sicher. Und wie viele Alternativen brauchen Sie denn, um in die Stadt zu kommen? Sie nehmen immer die Kürzeste. Das Gleiche gilt übrigens für jede Straße, die in die Innenstadt führt.
    Die Einmündung Ring/Hertinger Straße ist sehr unübersichtlich, da gebe ich Ihnen Recht. Hier sollte definitv etwas getan werden. Allerdings bezweifel ich, dass hierfür die komplette Verkehrsführung geändert werden muss. Eine Fußgängerampel könnte den gleichen Effekt haben, im Übrigen auch auf der anderen Seite, wenn man von der Hertinger Straße auf den Ring fährt.
    Sie unterstellen mir, ich würde nur aus der Sicht der Autofahrer argumentieren. Allerdings argumentiere ich nur aus der Sicht eines Bürgers, der ja hautnah mitbekommt, dass die Hertinger Straße zu 90% von Autos befahren wird. Am Ende kann man es nicht jedem recht machen, aber man kann versuchen es so vielen wie möglich recht zu machen. Und hierbei kommen wir zu Ihrer Argumentation eines radfahrenden Gartenvorstädters, welcher, sagen wir mal, doch eher den geringeren Anteil der Nutzer der Hertinger Straße ausmacht. Sie wollen bequemer in die Innenstadt radeln. Klar, das ist verständlich und auch erstmal unterstützenswert. Aber Sie wollen diese Bequemlichkeit für eine geringe Minderheit erreichen, indem Sie den viel größeren Teil der Bevölkerung Unnas den Alltag erschweren. Das empfinde ich als äußerst egoistisch, wenn man für das eigene Wohl, der Mehrheit das Leben erschwert. So will ich nicht, dass in Unna Politik gemacht wird und so sollte sie auch nicht gemacht werden.
    Sie gehen außerdem auf eine Vielzahl meiner wichtigen Fragen nicht ein, welche die Einbahnstraße aufwerfen würde:

    – Wie kann man mit grünem Gewissen den Besuchern von Mertens Baustoffe erklären, dass sie eine Runde von mindestens 2,7km fahren müssen, wenn man vorher nur 70m auf die B1 brauchte. Wie kann man sowas in Zeiten des Klimawandels, gerade als Grüner, verantworten?

    – Was ist mit den Krankenwagen, die Richtung B1 müssen? Wie staut es sich dann an der Ampel Hertingerstraße/Ring?

    – Wie kommen Anwohner der Hertinger Straße und deren Zufahrtsstraßen auf die B1? Über den Ring und die Iserlohner-Straße?

    – Oder doch über die Gerichtsstraße / Ziegelstraße durch ein Wohngebiet mit engen Straßen und Spielplätzen, um dann am Ende den Patienten des EVK´s mit Motorengeräuschen zu betören?

    Der Verkehr staut sich auch jetzt schon auf der B1 aus Soest kommend Richtung AS A1 an der Ampel, selbst zu Corona Zeiten. Der Verkehr auf der Hertinger Straße stadtauswärts würde da auch noch dazu kommen.
    Und bei all diesen neuen Problemen die auftauchen würden und auf die man keine Antwort hat, weder Sie, noch die Grünen, wurde, weder bei Ihnen, noch bei den Grünen, auf das eigentliche Thema zu sprechen gekommen, weshalb hier überhaupt ein neues Verkehrskonzept nötig ist: Der Schulneubau. Ganz kurz mal im Nebensatz angerissen, ansonsten geht es Ihnen und den Grünen doch gar nicht um die Schule, sondern, um die Radfahrer und der Schulneubau ist einfach nur ein Vorwand.

    Trotzdem danke ich Ihnen für Ihr Engagement.

    Mit freundlichem Gruß
    Benjamin Lehmkühler