Lesermeinung: Homeschooling und „die Lehrer, die nicht arbeiten“

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Symbolfoto - Quelle Pixabay.com
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Zum Thema Homeschooling in der Coronakrise und der Kritik vieler Eltern an mangelndem Engagement von Lehrern nimmt diese Leserin Stellung.

Sie schildert ihre Erfahrungen aus Sicht einer Lehrerin.

„Ich habe 139 Noten zu vergeben (ich unterrichte in zwei Klassen Deutsch, in zwei Klassen Mathe und in zwei weiteren Klassen). Wir sind verpflichtet jedem Kurs Aufgaben im Umfang von zwei Stunden pro Woche zu stellen.

Das bedeutet, dass ich montags 139 Lösungen zurück bekomme. Diese muss ich durchsehen und den Schülern eine Rückmeldung geben.

Wenn ich nur 20 Minuten zur Korrektur und Rückmeldung (da kann ich schon gar nicht intensiv korrigieren) einplane, komme ich auf knapp 47 Stunden die Woche. Hinzu kommt die Beantwortung von Eltern – und Schülerfragen, sowie das Abfragen der Emails der Schulleitung.

Diese bekommen wir auch sonntags. Hinzu kommt die Vorbereitung der neuen Aufgaben.
Macht locker 50 Stunden.

Jetzt bin ich so ehrlich zu sagen, das ich nicht von allen Schülern die Aufgaben zurück bekomme, auf meine 40 Stunden komme ich trotzdem problemlos. Zwischendurch musste ich zur Konferenz in die Schule und zur Aufsicht bei einer 10er Abschlussprüfung.

Ab dem 28. Mai muss ich zwei mal die Woche für jeweils vier Stunden zum Unterricht. Daneben geht es, hoffentlich in reduzierter Form, mit dem Home-Schooling weiter.

Ich kann es wirklich nicht mehr hören, dass uns Lehrern permanent unterstellt wird, dass wir nicht arbeiten. Ihr, die ihr keine Lehrer seid, habt doch gar keinen Einblick. Und mir ist klar, dass mir der ein oder andere unterstellt, dass ich übertreibe oder mich nicht so anstellen soll, da ich ja sonst nicht arbeite.

Vielen Dank auch für die Missachtung und Respektlosigkeit so vielen Menschen gegenüber.
Und ja, schwarze Schafe gibt es überall.“

  • Anja S.*, Lehrerin an einer Gesamtschule in Herne

*Name

der Redaktion bekannt

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