Unnas Beitritt zu „SoKo Respekt“ wird geprüft – Solidaritätsbekundungen bleiben aus

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Respekt für Retter - Screenshot / Quelle Soko Respekt e.V.
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Mehr Respekt für Rettungskräfte. Auch in Unna.

In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am gestrigen Donnerstag (18. 6.) lag der Politik ein Antrag der Freien Liste Unna (FLU) vor: Die Kreisstadt möge, wie schon eine Reihe andere Städte, dem in Lüdenscheid ansässigen Verein „SoKo Respekt e.V.“ beitreten. Der Beschluss wurde nicht gefasst, ein Beitritt  soll von der Verwaltung geprüft werden. Um, salopp formuliert, erst mal zu schauen, wer dahinter steckt.

Andere Städte sind dem Verein bereits beigetreten. In Meinzerhagen legte die (sich gestern im Unnaer Ausschuss sehr sparsam verhaltende) SPD den Antrag zum Beitritt vor; sie schrieb:

„Der Verein „SoKo Respekt e. V.“ wurde 2017 gegründet. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, dem zunehmenden mangelnden Respekt gegenüber Einsatz-, Rettungs- und Hilfskräften entgegenzuwirken. Menschen, die z. T. ihr eigenes Leben riskieren, um anderen zu helfen, werden beschimpft oder sogar gewalttätig angegangen. Mit seiner Arbeit möchte der Verein genau dies Problem in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Dabei geht es vor allen Dingen darum, Einsatzkräften eine Stimme zu verleihen und die Gesellschaft zu einem respektvolleren und wertschätzenden Umgang zu bewegen.

Die Mitglieder des Vereins sind überwiegend Einsatz- und Rettungskräfte. Darüber hinaus kommen sie aber auch aus anderen Berufsgruppen. In Schulen und auf öffentlichen Veranstaltungen halten sie Vorträge, in denen sie falsches und korrektes Verhalten in Notsituationen aufzeigen. Aufgrund dieser wichtigen Aufklärungs- und Präventionsarbeit erlangte der Verein in kürzester Zeit deutschlandweite Aufmerksamkeit und bei den Menschen einen enormen Zuspruch, was sich auch in der Mitgliederzahl ausdrückt.

Neben der Mitgliedschaft von natürlichen Personen ist auch die Mitgliedschaft juristischer Personen und damit auch der Stadt Meinerzhagen, möglich Mitglied zu werden. Kosten entstehen der Stadt keine, da sich der Verein „SoKo Respekt e. V.“ nicht über Mitgliedsbeiträge, sondern allein aus Spenden finanziert.

Mit ihrem Beitritt zum Verein „SoKo Respekt e. V.“ zollt die Stadt Meinerzhagen all den zahlreichen haupt- und ehrenamtlich Engagierten Respekt für ihren besonderen Einsatz zum Wohle unseres Gemeinwesens, sei es im Feuer- und Rettungsdienst, bei der Polizei, beim THW, dem DRK, bei den Johannitern und anderen Hilfsorganisationen.“

Als erste Stadt trat Anfang Juni Halver im Märkischen Kreis dem Verein bei. Für die Aufnahme in den Verein kamen Vertreter von Polizei, DRK, THW und Feuerwehr vorbei – stellvertretend für ihre Mitglieder, als der Bürgermeister im Namen des Rates und der Stadt Halver die Beitrittserklärung abgab. Als „Zeichen der Wertschätzung“, wie er betonte.

Ein Beitritt für Unna soll zunächst verwaltungssseits geprüft werden, dies entschied die Politik am gestrigen Abend nüchtern und emotionslos. Solidaritätsbekundungen mit der Zielgruppe blieben aus, bedauert FLU-Fraktionschef Klaus Göldner.

Er resümiert am heutigen Mittag:

„Die FLU hatte … einen Antrag vorgelegt, der einen Beitrag zur Solidarität mit unseren Rettungs- und Sicherheitskräften leisten sollte.

Diese werden bei der Ausübung ihrer wichtigen Tätigkeit immer wieder das Ziel von Angriffen und Anfeindungen, die oft sogar in Gewalt ausarten.

Im Sauerland wurde anlässlich dieser Tatsache ein Verein gegründet. Der Verein nennt sich „SoKo Respekt e.V.“ und hat sich zum Ziel gesetzt, durch gezielte Kampagnen das Image unserer Rettungs- und Sicherheitskräfte zu verbessern. In diesem Verein, über den man sich im Internet natürlich informieren kann, können auch Kommunen beitragsfrei Mitglied werden.

Klar, bevor man als Kommune einem Verein beitritt, sollte man natürlich schon genau hinschauen, ob dieser auch politisch korrekt ist. Wir haben deshalb auch darum gebeten, die Verwaltung möge die Möglichkeit eines Beitritts prüfen.

Diese Prüfung wurde gestern vom Bürgermeister zugesagt. Niemand wollte dieses ernstzunehmende und wichtige Thema ignorieren oder gar Argumente gegen diese Initiative vorbringen.

Schade fand ich es aber, dass niemand auch nur ein einziges positives Wort zum grundsätzlichen Anliegen einer Solidaritätsbekundung für diejenigen fand, die sich tagtäglich für uns alle einsetzen. Bei anderen gutwilligen und gemeinnützigen Initiativen sind wohlmeinende Bekundungen der Wichtigkeit fraktionsübergreifend üblich. Gestern hatte außer mir niemand eine Wortmeldung.

Es drangen stattdessen Wortfetzen anderer Ausschussmitglieder zu mir:

„Populismus, Symbolpolitik. Ihr wollt doch sonst keine Symbolpolitik.“

Nein, Symbolpolitik wollen wir tatsächlich nicht. Aber anders als beispielsweise bei der Verfassung sinnloser Resolutionen und der Ausrufung diverser fiktiver Notstände, handelt es sich hier um ein konkretes und reales Problem, welches Frauen und Männer betrifft, die sich „rund um die Uhr“ für uns alle einsetzen.“

Wer völlig zurecht die Solidarität für alle verfolgten und verarmten Menschen dieser Welt einfordert, darf dies sicher auch für Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei seiner Heimatstadt tun.

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