Lidl/Edeka in Massen: Sondersitzung des Rates im August

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Beispielbild eines Lidl-Marktes. (Foto RB)
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Für den Startschuss des neuen Einzelhandelsdoppels in Unna-Massen – Lidl und Edeka an der Massener Bahnhofstraße/Kletterstraße – gibt es jetzt noch einmal eine Sondersitzung des Stadtrates im August. Hintergrund war ein vermeintlicher Formfehler beim Aufstellungsbeschluss in der Sitzung des ASBV (Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr) am Mittwoch voriger Woche.

Aufgrund dieses monierten angeblichen Fehlers bei der Stimmauszählung legten Grüne und Freie Liste Unna (FLU) gemeinsam formalen Einspruch gegen die Einzelhandelsansiedlung an. „Der Rat muss zwingend über den Einspruch entscheiden und kann dies wegen der Sommerferien erst in seiner nächsten Sitzung im Herbst tun“, freute sich Grünen-Bürgermeisterkandidatin Claudia Keuchel zunächst.

Das stimmt so jetzt nicht mehr. Der geltend gemachte vermeintliche Fehler bei der Stimmauszählung war durch das Protokoll nicht zu bestätigen, die vorläufige Niederschrift wies die Stimmauszählung korrekt aus. Ein Einspruch ist gleichwohl jederzeit möglich. Dazu wird es jetzt eine Sondersitzung des höchsten politischen Gremiums der Stadt noch im August geben.

Eine Bürgerversammlung wird laut dem Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses folgen.

SPD, CDU und FDP sind wie berichtet für den neuen Einzelhandelsstandort.

Wie berichtet, haben sich sowohl Edeka an der Kleistraße und Lidl an der Hansastraße zur Aufgabe ihrer dortigen Standorte entschlossen. Der Edeka, unterstrich Baudezernent Michael Ott in der ASBV-Sitzung, werde schließen, das sei Fakt, und bei einer Verhinderung des neuen Marktdoppels an der Massener Bahnhofstraße „haben wir dort überhaupt keinen Edeka mehr“.

Lidl wiederum sieht an der Hansastraße keine Perspektive. Aus der Lidl-Regionalgesellschaft Bönen kam im Februar auf eine Petition für den Altstandort die deutliche Aussage, dass der Markt an der Hansastraße nicht erweitern dürfe und deshalb nun in Massen neu gebaut werde. Die Petition (die ca. 180 Unterstützer bekam) werde daran nichts ändern.

Da Unna mit Lebensmittelmärkten ausreichend versorgt sei, werde der Standort an der Hansastraße aufgegeben, und es komme dort auch kein neuer Lebensmittelmarkt mehr hin. Im näheren Umfeld befinden sich

  • die beiden Frischemarkt-/Discounter-Doppel an der Kamener Straße (Edeka/Lidl und Rewe/Aldi),
  • der derzeit im Umbau begriffene Netto an der Viktoriastraße
  • und drei weitere Rewe-Märkte in wenigen Kilometern Entfernung.
  • Auf der Mühle Bremme im künftigen „Einkaufs- und Erlebniscenter“ Mühlencenter zieht ebenfalls ein großer, moderner Edeka als Ankermieter ein. Die Eröffnung ist fürs erste Quartal 2022 vorgesehen.

Der Lidl-Regionalleiter sieht in in Massen mit über 13.000 Einwohnern eine gute Lage für einen neuen Lidl, nicht zuletzt, weil Massen auch keinen weiteren Discounter hat.

Das Gelände entwickeln wird die Immobiliengesellschaft Loehr, unter Einbezug des dortigen historischen Gebäudes.

  • Am bisherigen Edeka-Standort Kleistraße wird es laut Baudezernent Michael Ott keine weitere Nutzung für Lebensmitteleinzelhandel mehr geben,  machte Ott klar. Es komme dort ein Getränkemarkt hin.
  • Umsatzeinbußen für den Rewe-Markt setze das Gutachten von Junkers&Kruse mit 3-7 Prozent an, so Ott. Das sei ein einem Kaufmann zuzumutender Wert.
  • Lidl wird seinen bisherigen Standort an der Hansastraße mit 790 qm Verkaufsfläche im Zuge den Neubaus ebenfalls schließen und sich an der Massener Bahnhofstraße auf 1200 qm vergrößern.
  • Der neue Edeka hingegen wird nur unwesentlich größer als der an der Kleistraße.
  • Das historische Gebäude am neuen Standort wird in den Neubau integriert.
  • Kritisch ist und bleibt die Verkehrssituation an diesem Knotenpunkt, räumte Baudirektor Ott unter Hinweis auf das Verkehrsgutachten ein.
  • Zwar kämen  durch das neue Einzelhandelsdoppel noch einmal Mehrverkehre durch Kunden und Zulieferer dazu, doch der geplante Umbau der Kreuzung Massener Bahnhofstraße/Kleistraße werde die Verkehrsströme entsprechend entzerren und die Situation verbessern: Von der bisherigen Note „Mangelhaft“auf „Ausreichend“.

Die Gegner des neuen Einzelhandelsstandorts (Grüne, Renate Nick/SPD, FLU)   argumentieren wie berichtet mit unzureichender Bürgerbeteiligung, dem Zubauen der Frischluftschneise Richtung Dortmund,  Flächenversiegelung und der Verkehrsfrage.

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2 KOMMENTARE

  1. Du Dich jetzt wunderst: Statt Bürgerbeteiligung jetzt eine #Sondersitzung des Rates für den Startschuss des umstrittenen #Einzelhandelsprojektes in Unna-#Massen. Woher kommt die #Entscheidungsnot bei einem Projekt, gegen das sich selbst die ortskundige Massener Vizebürgermeisterin Renate Nick und der jahrelange Ortsvorsteher Helmut Tewes gemeinsam mit vielen Massenern wehren? Alle Argumente seien doch ausgetauscht, sagten vereint Verwaltung und CDU-SPD-Politik im Stadtentwicklungsausschuss. Stimmt nicht ganz, musste sogar der Stadtbaurat erklären: Eine richtige Bürgerbeteiligung, auf die nach Sitzungsvorlage sogar verzichtet werden sollte, gab es nicht. Trotzdem wird der Aufstellungsbeschluss für den Investoren-Bebauungsplan jetzt mit einer Sondersitzung durchgedrückt. Warum, wieso nicht einfach jetzt die Bürgerbeteiligung durchführen, dann die Wahl des neuen Stadtrates abwarten, bei der sich alle Parteien zum Projekt positionieren können? Und der neue Rat kann dann in Ruhe nicht nur ein Investorenprojekt auf den Weg bringen, sondern vielleicht erstmal ein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept für Massen. Was für den Königsborner Norden gut ist, kann doch für den stolzen Stadtteil nicht schlecht sein, oder? Mit der Sondersitzung setzen sich Bürgermeister Werner Kolter, seine Verwaltung und die politische Mehrheit nur dem bösen Verdacht aus, dass da ohne Rücksicht nur die Interessen eines Investors durchgedrückt werden sollen, bevor möglicherweise eine neue Ratsmehrheit das Projekt hinterfragt. Das hat ein „Gschmäckle“, sagt mann in meiner früheren süddeutschen Heimat, der Pott kommentiert deftig-klar: „Das stinkt“. Und eine solche Verdächtigung haben weder Werner Kolter, noch seine Bauverwaltung und auch nicht die politischen Befürworter des Projektes verdient. Deshalb sollten sie gemeinsam die Sondersitzung des Rates zugunsten einer Sonder-Bürgerbeteiligung abblasen.
    Ich gebe zu: Ich spreche hier als Betroffener. Der Lidl-Markt an der Hansastraße, der zugunsten des abseitigen Massener Projektes entfallen soll, ist in meinem Quartier zwischen Bahnlinie, S-Bahnlinie, Hansa-/Königsborner Straße und Husemannstraße für viele Menschen ein Nahversorger. Nicht nur für automobile Betuchte wie mich, sondern gerade auch für Menschen mit kleiner Kasse, für Radelnde, Fußgehende, für Mobilitätseingeschränkte. Die vom Lidl-Konzern gewünschte Modernisierung und Erweiterung des Marktes hat die Stadt mehrfach blockiert. Aber dafür jetzt die Startbahn für den Umzug nach Niedermassen ausgerollt und absehbar meinen Stadtteil blank gezogen. Genauso wie Obermassen und die Massener Mitte, wo für meine Schwiegereltern immer der Edeka an der Kleistraße der nächste Versorger war. Warum der überhaupt profitieren sollte, wenn er an der Bahnhofstraße kaum Verkaufsfläche mehr bekommt, leuchtet mir nicht ein. Und eine offizielle Stellungnahme der Handelskette, dass sie ohne das Neubauprojekt den großen Stadteil komplett verlassen, habe ich noch nicht gelesen. Dass Edeka dann ganz Massen nur Rewe überlässt – wer bitte soll das glauben?