Fahrverbote für Motorräder: Biker-Verband fordert Hersteller zum Handeln auf

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Symbolbild - Motorrad (Quelle Pixabay)
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Fahrverbote für Motorräder am Wochenende – bundesweit. Diese Pläne des Bundesrates erhitzen die Gemüter seit einigen Wochen. Der „Bundesverband der Motorradfahrer“ (BVDM) geht mit einem offenen Brief in die Offensive, dessen Inhalt ein wenig überrascht:

Denn statt die Pläne der Politik zu kritisieren, fordern die Biker „die führenden Motorradhersteller“ auf, „freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind“.

Offener Brief an die führenden Motorradhersteller und den Industrieverband Motorrad (IVM)

Das Thema Motorradlärm wird seit Jahren kritisch in der Öffentlichkeit diskutiert. Anlass der Kritik ist die kontinuierliche Zunahme der Lärmemissionen in diesem Bereich. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in illegal modifizierten Auspuffanlagen und/oder unangemessener Fahrweise begründet. Etliche aktuelle Motorräder sind aber ab Werk laut. Viele Hersteller nutzen die aktuellen Zulassungs- und Messverfahren dahingehend aus, dass sie durch geeignete technische Maßnahmen (z.B. elektronisch gesteuerte Klappen im Auspuffsystem) den Lärmpegel der Maschinen außerhalb des Messbereichs erhöhen. Diese Maßnahmen sind aktuell legal und können daher von den Zulassungsbehörden bei der Typprüfung nicht beanstandet werden.

Das seitens der Hersteller vorgebrachte Argument, dass die Kunden laute Maschinen fordern, haben wir bei unseren Gespräche mit Motorradfahrern nicht feststellen können, im Gegenteil. Der gute Klang einer Maschine ist ihnen wichtig, dieser wird aber nicht besser, wenn er laut ist.

Vielen Kunden bleibt daher derzeit nur die Wahl, die hohe Lautstärke in Kauf zu nehmen – oder auf den Kauf zu verzichten.

Diese zusätzlichen Lärmemissionen reduzieren die gesellschaftliche Akzeptanz des Motorradfahrens. Anwohner attraktiver Motorradstrecken wenden sich vermehrt an die Politik und fordern Streckensperrungen und drastisch verschärfte gesetzliche Regelungen gegen Motorradlärm. Der Beschluss des Bundesrats zum Motorradlärm oder das beschlossene Fahrverbot in Tirol/Österreich sind hierfür sehr deutliche Signale.

Der BVDM fordert die Motorradindustrie daher auf, freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind!

Die Hersteller sollten jetzt signalisieren, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden haben …

Leisere Maschinen sind … auch im längerfristigen Eigeninteresse der Industrie. Wenn es zu immer mehr Einschränkungen wie Streckensperrungen kommt, sinkt die Attraktivität des Motorrads deutlich und es lassen sich damit weniger Motorräder verkaufen.

…  Liefern Sie Öffentlichkeit und Politik nicht weiter die Argumente, die gegen das Motorrad eingesetzt werden.

Michael Lenzen, Vorsitzender BVDM

Einig ist sich die Länderkammer wie von uns berichtet darüber, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge künftig begrenzt werden. Künftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel (db/A) gelten, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Bei „gravierenden Lärmüberschreitungen“ soll jedes Fahrzeug sofort von der Polizei einezogen werden dürfen.

Außerdem soll Tuning härter bestraft werden, wenn das Motorrad dadurch erheblich lauter wird. Das Sound-Design, über das Fahrer die Geräuschkulisse selbst einstellen können, solle verboten werden.

Und: Die Länder wollen eben beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Die Enscheidung darüber muss nun die Bundesregierung fällen. Feste Fristen gibt es hierfür nicht.

Der Bundesverband der Motorradfahrer krititsiert „die einseitige Fokussierung beim Thema Lärm auf die Motorräder“. Es sei ein Unding, mehr als vier Millionen Motorradfahrer wegen Fehlverhaltens einer Minderheit über einen Kamm zu scheren. „Bei Autofahrern, etwa bei den illegalen Straßenrennen in Städten, geht man auch gezielt gegen die Verursacher vor. Hier muss gleiches Recht für alle gelten.“

Der Hagener Umweltpsychologe und Lärmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg hingegen sieht die Bundesrats-Entschließung als einen Schritt in die richtige Richtung. Bislang sei das Thema zu wenig beachtet und eher vernachlässigt worden.

Dabei sei Motorradlärm ein großes Problem – vor allem im ländlichen Raum, sagt Schreckenberg.

Der Motorradverkehr hier beiße sich mit Ansprüchen der übrigen Menschen, die dort sind: Touristen, die sich erholen möchten und Anwohnern, die sich dafür entschieden haben, auf dem Land in Ruhe zu wohnen. „Und auch noch zu Zeiten, in denen man besonderen Ruheanspruch hat – am Wochenende, insbesondere am Sonntag.“

Quellen: BVDM, ADAC, dpa

 

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