Lesermeinung: 700-€-iPad für einen Fünftklässler – Eltern finanziell auf sich gestellt

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Digitale Geräte im Unterricht - Symbolfoto, Archiv RB
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Der Wechsel auf eine weiterführende Schule hält für Kinder wie Eltern viel Neues, Ungewohntes bereit. Eine Mutter aus dem Kreis Unna, deren Sohn im August in den 5. Jahrgang einer Gesamtschule wechselt, schilderte uns hörbar entsetzt und auch ein bisschen verzweifelt, welche finanzielle Belastung die Familie gleich zum Start ins neue Schuljahr stemmen soll:

„Eltern, die ihre Kinder in die Sekundarstufe I einer weiterführenden Schule im Kreis Unna einschulen und in eine iPad Klasse gehen lassen, sind offenbar finanziell auf sich gestellt. Das iPad muss von den Eltern allein finanziert werden.

So ist es jedenfalls an der Schule geregelt, an der wir unseren Sohn (derzeit 4. Klasse Grundschule) angemeldet haben.

Die Kosten für uns belaufen sich auf 685 € Einmalzahlung bei einem iPad ohne Pencil und 771 Einmalzahlung bei einem Pad mit Pencil.

Bei Ratenzahlung enstehen uns 36 Monate lang jeden Monat Kosten von 20 € bzw 22,50 €. Damit geht das iPad aber nach drei Jahren nicht ins Eigentum über. Um es als Eigentum zu erwerben, müssen nochmals 3 Monatsmieten obendrauf gezahlt werden.

Damit summieren sich die Kosten nach 3 Jahren und 3 Monaten auf 780 € bzw 877,50 €.

Bei Erwerb des iPads über die Schule, schrieb man uns Eltern, wäre das Gerät versichert. Was aber nicht heißt, das die Pads kostenlos ersetzt werden. Denn bei Austausch des Gerätes muss ein Eigenanteil von 100 € im Schadenfall und 150 € bei Diebstahl gezahlt werden.

Für finanziell schwache Familien (dazu zähle ich auch unsere),  die ihr Kind in der Gesellschaft nicht außen vor stehen lassen möchten, heißt das, tief in die Tasche greifen. Aber woher nehmen, wenn das Einkommen – bei Arbeitslosigkeit und zwei schulpflichtigen Kindern – gerade zum Leben reicht?

Und mit dem iPad ist es ja nicht getan, dazu kommt ja dann auch noch der Super High Quality Taschenrechner, der auch um die 120€ kostet. WARUM muss alles so teuer sein, reicht da nicht ein günstiges iPad und ein günstiger Taschenrechner mit allen wichtigen Funktionen?

Zuschüsse von der Schule oder von der Stadt gibt es für uns trotzdem nicht.

Mein Mann und ich würden uns selbst niemals selbst ein derartig teures Gerät kaufen.

Ich bin gerade so wütend und auch verzweifelt! Weiß jemand Rat?“

Diana W. *

(*Name und Kontaktdaten sind der Redaktion bekannt)

 

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2 KOMMENTARE

  1. Wie kommen denn diese exorbitant hohen Preise zustande? Wenn man aktuelle Preise für das Ipad (2019) in der 128GB Version auf dem Preisvergleichsportal idealo.de betrachtet, fangen die Preise bei ca. 400 Euro an. Hier sollte man sich allerdings die Frage stellen, ob es für die Schule wirklich das große Modell sein muss, oder ob 32GB nicht auch reichen. Nach meinen Erfahrungen kommt man mit dem Speicherplatz gut hin und die kleinere Version ist auch noch einmal 80 Euro günstiger.
    Zusätzlich schlägt natürlich noch der Apple Pencil mit ca. 90 Euro und eine mögliche Versicherung ordentlich zu Buche. Bei den Preisen der Versicherung bin ich leider nicht informiert, bei dem hohen Selbstanteil im Schadensfall, welchen Sie beschrieben haben, rechtfertigt eine Versicherung allerdings m.E. nicht den hohen Aufpreis in Ihrem Fall.

    An vielen Schulen gibt es das Angebot, dass finanziell schwächer aufgestellte Familien von dem Förderverein bei der Anschaffung unterstützt werden. Haben Sie schon abgeklärt, ob es ein solches Angebot vielleicht bei ihrere Schule gibt?

  2. Warum muss es gerade ein Produkt von Apple sein, kriegt da irgendjemand eine Vermittlungsprovision?
    Technisch gesehen können Pads von anderen Herstellern genau das Gleiche oder sind sogar besser.
    Aber das Problem gab es schon zu meiner Schulzeit, meine Eltern mussten für den Matheunterricht auf dem Gymnasium einen Taschenrechner für mich anschaffen. Auch damals sollte man ein bestimmtes Produkt kaufen, Texas Instruments Ti30. Stolzer Preis damals (1977): 99 DM. Das hat das Budget gesprengt. Wenn nicht innerhalb der Familie alle Tanten und Onkel gespendet hätten, wäre das mein schulisches Ende auf dem Gymnasium gewesen.
    Warum wird den Eltern wieder vorgeschrieben das teuerste Produkt auf dem Markt anzuschaffen? Und warum gibt es keine Unterstützung von der Landesregierung?
    Scheinbar hat sich in unserer Gesellschaft nicht viel geändert, Bildung ist immer noch abhängig vom sozialen und finanziellen Status der Eltern.