Geschlossen – Warteschlangen – lustloser Service: Corona als Ausrede für alles?

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Symbolbild zum Thema eingeschränkter Kundenservice wegen Corona - Archivfoto RB
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Warteschlangen bis auf die Straße hinaus, lustlose Bedienungen, plötzlich eingeschränkte Öffnungszeiten, wochenlanges Warten auf Termine – muss Corona plötzlich als grundsätzliche Ausrede für schlechten Service herhalten?

Diese Frage stellt eine Redakteurin der F.A.Z. (Onlineausgabe) und schneidet damit ein Thema an, das auch immer wieder Rundblickleser in Kommentaren erwähnen: In so manchem Geschäft, Lokal, bei so mancher Werkstatt, in so mancher Behörde und kommunalen Verwaltung lässt die Kundenfreundlichkeit seit dem Beginn der Coronakrise irgendwie merklich wünschen übrig.

„Natürlich: Corona hat der Welt den schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg beschert, die stärksten Eingriffe in die Freiheitsrechte“, gesteht die F.A.Z.-Redakteurin zu. „All das hatte seine Berechtigung, weil das Virus … ganz besonders tückisch ist. Aber jetzt, da sich zumindest in Deutschland der Staub etwas gelegt hat, darf man sich schon einmal darüber wundern, bei welchen Gelegenheiten Corona noch als Begründung herhalten muss.“

  • So höre der Hotelgast an der Rezeption „Corona“ in Dauerschleife, wenn die Empfangsdame freundlich darauf hinweise,  dass das Zimmer jetzt nur noch alle zwei Tage gereinigt werde, bei gleichbleibendem Zimmerpreis.
  • „Corona“ sei der Grund, wenn der Bankkunde vor seiner Filiale stehe und zum wiederholten Male lesen müsse: „Vorübergehend geschlossen“.
  • „Corona“ töne es aus der Autowerkstatt, wenn sie in den nächsten drei Wochen keinen freien Termin mehr vergeben kann aufgrund der Kurzarbeit.
  • Und „Corona“ hören auch die Bürger im Kreis Unna, die wochenlang auf einen Termin Straßenverkehrsamt warten.

„Überall zwischen Lünen und Lindau“ sei das so, fasst die Redakteurin zusammen und bezieht damit (wohl zufällig) den Kreis Unna explizit mit ein.

Sie sieht hier ein strukturelles Problem: „Mängel, deren Gründe nicht klar benannt werden, setzen sich fest.“

Ihr Fazit: 

„Studien, Umfragen, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt es nicht, nur ein dumpfes Gefühl, dass inzwischen vielleicht zu häufig die Corona-Keule geschwungen wird, um Versäumnisse zu kaschieren. Es ist nicht einmal einfach, sich dem Problem nüchtern zu nähern. Der berechtigte Hinweis, hier gehe es um Leben und Gesundheit, schwebt über allem. Natürlich tut es das ganz generell, aber ist dies auch der Fall in dem Hotel, das die Betten nicht macht, weil es – angeblich – das Personal schützen möchte?“

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