Pöbeln und abtauchen – Vom Umgang mit unliebsamen Artikeln

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Symbolbild, Quelle Pixabay
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Das Thema der Berichterstattung missfiel dem Leser gründlich.

Also schickte er uns spätabends eine Mail, warf der Verfasserin – die den Artikel in eine örtliche Facebookgruppe verlinkt hatte – einige wüste Vorwürfe an den Kopf (inhaltlich falsch und an den Haaren herbeigezogen) und verabschiedete sich mit einem Kraftausdruck.

Solcherart „Sachkritik“ kommt uns zum Glück nicht täglich unter,  sie kommt aber vor. Daher ist wahrscheinlich auch die Reaktion auf unsere Erwiderung leider eher die Ausnahme denn die Regel. Wir beschlossen nämlich, diesem nächtlichen Schreiber zu antworten.

Es ging um zwei sachliche Berichte, kurz aufeinanderfolgend, über den Antritt der AfD bei der Kommunalwahl im Kreis Unna. Die Berichte wurden in eine Kamener Facebookgruppe gepostet.

Am selben Abend bekam unser Verlag folgende Mail, offenbar unter dem Klarnamen des Verfassers:

„Hallo,
….. (die Autorin) schreibt fast nur für die AFD. IHr solltet euch mal ihre Beiträge in verschiedenen Gruppen bei FB anschauen.
Sowas geht gar nicht! So ein rechter Rotz gehört nicht nach Deutschland!
MfG“
Die Verfasserin antwortete ihm wie folgt:

 

Sehr geehrter Herr S.,

Da Sie in Ihrer (leider sehr unfreundlichen) Mail gestern an unseren Verlag namentlich mich als Redakteurin angreifen, möchte ich Ihnen auf demselben Weg noch einmal kurz in Ruhe antworten, da Sie sich immerhin die Mühe einer Mail an uns/mich direkt gemacht haben – ich gehe daher davon aus, dass Sie auch auf eine Antwort Wert legen.

Diese gebe ich Ihnen folgendermaßen:

1. Sie kritisieren die RB-Berichterstattung über die AfD und meine Verlinkungen auf FB. Sowohl Ihr Vorwurf „andauernd“ als auch „nur/ausschließlich“ und „in alle Gruppen“ entbehrt dabei jeder Grundlage.

Fakt ist: Wir haben in diesem Jahr genau zweimal über die AfD berichtet: einmal am Sonntag, um informativ mitzuteilen, in welchen Städten die AfD bei der Kommunalwahl antreten will und in welchen nicht; das zweite Mal dann am gestrigen Montag, um darzustellen, wie sich die AfD schon vor der Kommunalwahl in Flügelkämpfen selbst zerlegt.

Insbesondere was letzteren Bericht angeht, ist mir vollkommen schleierhaft, wie Sie darin auch nur im Entferntesten etwas „Werbendes“ für diese Partei herauslesen wollen. Der Bericht ist das genaue Gegenteil, und jeder, der diese Partei nicht mag, wird diese Neuigkeit nur begrüßen können.

Beide Berichte habe ich in eine einzige Gruppe geteilt: in die Kamener Gruppe. Warum? Weil die AfD in Kamen antritt. Und weil der neue Sprecher der Kamener Ulrich Lehmann ist, ehemals BG und noch früher CDU.

2. Haben Sie die Berichte/insbsondere den zweiten vom Montag überhaupt gelesen? Ich bezweifele das sehr. Denn dann hätte Ihnen nicht entgehen können, dass Hans-Otto Dinse, AfD Schwerte, unsere Redaktion als „armseligen linken Mainstream“ beschimpft hat, was ich übrigens ganz bewusst als Zitat in den Text gefügt habe.

Ging es Ihnen einfach um blinde Hetze gegen den RB und gegen mich persönlich? Das finde ich ziemlich armselig. Da gibt es andere Möglichkeiten der Kritik.

3. Schlussendlich ist es selbstverständlich Aufgabe eines lokalen Mediums, auch über „unliebsame“ Parteien zu berichten, insbesondere dann, wenn sie neu in der Lokalpolitik auftauchen und Ratsmandate anstreben. Wenn Ihnen der Inhalt einer nachrichtlich formulierten Meldung nicht gefällt, sollten Sie dafür nicht (wie in früheren Zeiten) den Überbringer der Nachricht einen Kopf kürzer machen.

Ich ende damit, dass mir ein solcher Stil wie bei Ihrem Anwurf grundlegend missfällt und es bei derartigen Anwürfen, die übrigens den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllen, auch andere Möglichkeiten der Reaktion für einen Verlag gibt.

Sofern Sie weiteren Gesprächsbedarf haben, stelle ich Ihnen gerne meine Handynummer zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen.“

Eine Antwort von Herrn S. bekamen wir bis heute nicht.

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