„Große Gefahr durch Corona in Erstaufnahme Massen“: Ev. Kirche Unna fordert „kreative Lösungen“

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Die EAE Massen (Landesstelle). Archivbild Rundblick
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Eine „besorgniserregende Gefährdung durch Corona bei der Unterbringung von Geflüchteten“ konstatiert der Evangelische Kirchenkreis Unna. Er bekräftigt seine bereits vor 2 Wochen geäußerten Befürchtungen in einem von ihm ininitiierten offenen Brief an die Landesregierung NRW.

„Die Sorge um Menschen, die in Einrichtungen für Geflüchtete in dieser Zeit leben, ist groß. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Unna-Massen leben rund 300 Menschen auf engstem Raum“, mahnt  der Kirchenkreis in seiner erneuten Pressemitteilung vom Freitag, 22. Mai.

„Ein Ausbruch der Corona-Infektion hätte unter diesen Wohnbedingungen  dort lebensbedrohliche Folgen“, so Volker Jeck, der Beauftragte für Flüchtlingsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Unna. Seine Sorge teilen mehrere Initiativen, die sich für eine angemessene Gesundheitsversorgung und Unterbringung von Geflüchteten im Kreis Unna einsetzen.

Gemeinsam haben sie sich in einem offenen Brief an Landes- und Bezirksregierung sowie die Bürgermeister der Umgebung und den Landrat gewandt.

Eine Sorge der Verfasser: eine Quarantäne in der Erstaufnahmeeinrichtung in Massen würde bedeuten, dass rund 300 Bewohner das Gelände der Einrichtung nicht verlassen dürften.

Jeck: „Die Menschen – darunter auch viele Familien und mehr als 70 Kinder und Minderjährige – leben in kleinen Räumen, die jeweils mit vier Pritschen, einem kleinen Tisch und einem Stuhl ‘möbliert’ sind. Die Einrichtung ist nur für den Aufenthalt von wenigen Tagen, aber nicht von mehreren Wochen oder gar Monaten eingerichtet.“ Besonders für die Kinder und psychisch belastete, traumatisierte Personen sei diese Enge unzumutbar, im Fall einer nötig werdenden Quarantäne gar unerträglich.

Die Unterzeichnenden des offenen Briefes setzen sich für kreative und schnelle Lösungen, wie die vorübergehende Nutzung leerstehender Hotels oder Gebäude der Stadt, des Landes oder des Bundes ein. Auch seien größere Quarantänelager dringend zu vermeiden und das Gebot der Wohnverpflichtung in Aufnahmeeinrichtungen aufzuheben.

Der Initiative des Evangelischen Kirchenkreis Unna haben sich mehrere Organisationen angeschlossen: darunter als Erstunterzeichnende der Arbeitskreis Asyl Schwerte, der Caritasverband für den Kreis Unna e.V., die Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Holzwickede“, der Flüchtlingsrat in Kreis Unna, der Integrationsrat der Kreisstadt Unna, der katholische Pastoralverbund Kamen-Kaiserau, der Patenschaftskreis für Flüchtlinge in Fröndenberg und die Initiative WeltOffen Unna.

Den Brief im Wortlaut veröffentlichten wir HIER.

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1 KOMMENTAR

  1. Es ist schon erstaunlich.
    Einerseits haben wir unsere sozialen Einrichtungen wie Seniorenresidenzen und betreutes Wohnen, als kleine Wohnung oder nur als Zimmer. Wir haben die Alteneinrichtungen, ein Zimmer auf 8 QM, und wir haben Pflegeheime.
    Von all denen wurde erwartet dass sie sich an die Kontakt Beschränkungen halten und möglichst in ihrem engsten Umfeld aufhalten.
    Darüber hinaus in den Krankenhäusern Langzeitpatienten die sicher Fürsorge, Liebe und persönlichen Austausch in Gesprächen mit Verwandten brauchen, die sie aber seit mehr als 2 Monaten nicht mehr gesehen haben. Man kann das unendlich fortsetzen wie soziale Kontakte in den letzten Monaten gelitten haben.
    Es kann ja sein dass die Kirche da aktiv war. Bewusst wahrgenommen habe ich sie nicht. Nichts war zu hören in der Öffentlichkeit.
    Nun haben wir einen Ortsteil in einem Ortsteil. Im Gegensatz zu den Wohnsilos in Königsborn oder z.b im Schanzengraben in Massen wo eine enge Begegnung nicht zu vermeiden ist gibt es die EA in Unna-Massen. Mit nur mit 300 Bewohnern belegt, ausgelegt für mind. 800 und in Krisenzeiten deutlich mehr. Und versorgt mit dem Notwendigsten unter Hygienemassnahmen. Kantinen geschlossen, stattdessen Zimmerservice 3 mal täglich das Essen aufs Zimmer. Taschengeldausgabe geschützt unter Plexiglas. Dazu unbeschränkter Ausgang auf Freiflächen auf denen man sich aus dem Wege gehen kann. Anschließend zum nächsten Discounter oder Kiosk um sich noch mit dem zu versorgen was man nicht unbedingt braucht. Wenn sich jeder an die Regeln halten würde wie es erwartet wurde und wird gibt es keinen Grund dort eine drohende Ansteckung, verbunden mit einer Quarantäne, zu befürchten. Insofern sollte sich der evang, Kirchenkreis doch mal wieder um seine Schäfchen kümmern statt sich um ungelegte Eier zu Sorgen.