Soziale Folgen der Krise in Unna – Das antwortet die Stadt der FLU

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Symbolfoto Gewalt / Quelle Orginalbild: Pixabay.com
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Wie stellt sich in der Coronakrise die Situation von Kindern und Familien dar? Gibt es einen Anstieg häuslicher Gewalt, sind vermehrt Anzeichen von Gefährdung von Kindeswohl erkennbar?

Dazu hatte die Freie Liste Unna (FLU) am 1. Mai einen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung gestellt. „Der Versuch der Beantwortung durch Beigeordnete Kerstin Heidler kurz vor Schluss der Ratssitzung am 14. Mai ist völlig untergegangen“, resümiert FLU-Fraktionschef Klaus Göldner enttäuscht. „Die Presse war schon weg, sowie fast alle Gäste und einige Ratsmitglieder. Der Rest hatte keine Zeit mehr, aufmerksam zuzuhören.“

Hier deshalb die Fragen und die Antworten im Wortlaut.

Anfrage FLU-Fraktion „Betreuung von Familien und Kindern im Rahmen der Coronakrise“

Wie stellt sich die Lage in den genannten Bereichen derzeit in Unna dar?

Der in der Verwaltung fachlich zuständige Bereich Jugend und Familie verfolgt die aktuelle Situation mit großer Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für die Themenfelder Kindeswohlgefährdung und Häusliche Gewalt. Dabei mussten bislang keine alarmierenden Situationen festgestellt werden.

Gibt es einen Anstieg bekannter Fälle von häuslicher Gewalt in Unna?

Einsätze der Polizei bei häuslicher Gewalt werden grundsätzlich dem Jugendamt mitgeteilt. Dabei konnte bislang kein Anstieg Häuslicher Gewalt festgestellt werden. Auch aus Gesprächen mit entsprechenden Beratungsstellen liegen keine Erkenntnisse darüber vor. Die Kreispolizeibehörde stellt für Unna leicht rückläufige Fallzahlen fest, die aber nicht signifikant sind (-1). Auch Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums im Kreis Unna e.V.,  berichtet davon, dass aktuell keine signifikante Steigerung der Fallzahlen zu verzeichnen sei.

Gibt es vermehrt Fälle von kindlicher Verwahrlosung im Familienbereich?

Ein Anstieg von Fällen kindlicher Verwahrlosung konnte bislang nicht festgestellt werden. Entsprechende Meldungen und Hinweise bewegen sich auf dem Niveau vor der Pandemie. In 14 Fällen konnte das Jugendamt im Rahmen der Lockerung der Betreuung in Kindertagestätten Kinder aus problematischen Familienverhältnissen wieder in die Einrichtungen vermitteln.

• Gibt es vermehrt Suizide im Unnaer Stadtgebiet?

Vermehrte Suizidfälle sind dem Jugendamt nicht bekannt. Suizidfälle werden auch vom sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Unna nicht erfasst. Auch seitens der Kreispolizeibehörde Unna wurden keine Auffälligkeiten gemeldet.

Wie findet in Zeiten von Corona die amtliche Kontrolle in bekannten Problemfamilien statt?

Bekannte Problemfamilien werden seit Beginn der corona-bedingten Einschränkungen weiterhin regelmäßig im Rahmen der Möglichkeiten durch den Allgemeinen Sozialen Dienst betreut (Telefonische Kontakte, Einzelkontakte im Freien)
Im Rahmen von ambulanten Hilfen zur Erziehung halten die freien Träger, die in den Familien eingesetzt sind, weiterhin kontinuierlich Kontakt (Persönlich, per Telefon oder Video Chat).

Gibt es „Meldeketten“ zur Erkennung von regelungsbedürftigen Sachverhalten?

Sollten sich gravierende Missstände in den betreuten Familien darstellen, wird durch den freien Träger das Jugendamt eingeschaltet. Es erfolgt eine Überprüfung des Kindeswohls. Meldungen über Fälle von Kindeswohlgefährdung durch Nachbarn, Verwandte oder das soziale Umfeld werden auch in Zeiten der Pandemie nach einem verbindlichen Standardverfahren bearbeitet, dazu gehören an erster Stelle persönliche Kontakte durch Hausbesuche.

Einsätze der Polizei bei häuslicher Gewalt werden dem Jugendamt mitgeteilt. Beratungsangebote werden den Betroffenen telefonisch mitgeteilt. Vermittlungen in Frauenhäuser werden durch das Jugendamt im Bedarfsfall unterstützt bzw. begleitet.

• Sind irgendwelche Maßnahmen (zum Beispiel regelangepasste Events) als Ersatz für ausfallende Angebote und Veranstaltungen im Kinder- und Jugendbereich für den Fall geplant, dass die Krise weiter andauert?

Das Kinder- und Jugendbüro prüft und plant mögliche Veranstaltungen und Ferienpassangebote unter Einhaltung der Hygienebedingungen. Die Jugendeinrichtungen planen für Wiederöffnungen.

• Denken Sie an eine personelle Verstärkung des städtischen Sozialbereiches durch temporäre Umsetzungen aus anderen Verwaltungsbereichen?

Hinweise, die eine personelle Verstärkung des Personals in diesem Aufgabenbereich aktuell erforderlich scheinen lassen, liegen nicht vor.

gez. Kerstin Heidler Beigeordnete

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